Casablanca war und ist nicht die Idylle, wo Humphrey Bogart, Ingrid Bergman & Co Filmgeschichte schrieben. Heute schon gar nicht: Der marokkanische Regisseur und Schauspieler Faouzi Bensaïdi siedelt seinen formal wie inhaltlich bestechenden Film „WWW – What a Wonderful World“ in der maghrebinischen Metropole an. Eine Stadt wie eine Symbiose aus Moderne und atavistischer Vergangenheit: Hier lebt der Auftragsmörder Kamel (Bensaïdi) in einem Mini-Penthouse und erhält seine tödlichen Aufträge per Internet. Nach getanem Job entspannt sich Kamel bei der Prostituierten Souad. Allerdings hat er sich in die Verkehrspolizistin Kenza verguckt, die den Verkehr im Stil einer Dirigentin regelt.
Zuletzt gibt es noch Hicham, den Hacker, der nach Europa auswandern will (ein heute fast unmögliches Ansinnen) und der übers Web Kamels lebensgefährlichem Beruf auf die Schliche kommt. Ärger für Kamel ist ebenso programmiert wie die verquere Handlung eines interessanten Films: Ein schräges Liebespaar sind Kamel und seine Polizistin Kenza (Nezha Rahil), cool und extrem nuanciert in der Darstellung. Nicht nur der Plot, den der Regisseur und Hauptdarsteller mit schwarzem Humor wie mit Empathie gegenüber der arabischen Gesellschaft im Internet-Café-Zeitalter in Szene setzt, sondern auch seine avantgardistische Bildkomposition und Schnitttechnik zeigen heutigen Surrealismus aus dem Maghreb.
WWW – WHAT A WONDERFUL WORLD
F/Marokko/D 2006. Regie: Faouzi Bensaïdi.
Mit Faouzi Bensaïdi, Nezha Rahil, Fatima Attif, El Mehdi Elaaroubi.
Verleih: Cinematograph. 99 Min.