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39,90 - 42/2008

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Bitterböse Satire aus Frankreich.
Die Welt als Werbebotschaft


Im Jahr 2000 debütierte Frédéric Beigbeider mit seinem Roman „39,90“ und verlor dafür seinen Job in der Werbebranche. Acht Jahre später folgt der Film.

Von Michael Kraßnitzer

„Alles ist käuflich: die Lie*be, die Kunst, der Planet Erde, Sie, ich.“ Nach diesem zyni*schen Motto lebt der Antiheld im Film „39,90“, einer bitterbösen Abrechnung mit der Werbebranche. Octave Parango (Jean Dujardin) ist Creative Director in einer schicken Agentur, er ist jung, erfolgreich,
schwimmt in Geld – und er ist ein Arsch*loch. Befeuert durch unentwegten Kokainkonsum ist seine Selbstgefälligkeit ins Unermessliche gestiegen. Die meisten Menschen behandelt er wie jene Produkte, für die er Werbestrategien entwirft: mit Verachtung. Nachdem er seine große Liebe findet, von dieser (Vahina Giocante) aber zu Recht verlassen wird, gerät seine Welt ins Wanken. Als ein Kunde sein ach so kreatives Konzept für eine Joghurtwerbung zugunsten einer biederen 08/15-Idee verwirft, sinnt er auf Rache: am Nahrungsmittelkonzern und am System insgesamt.

Attacke auf die Werbeindustrie

„Madone“ heißt besagtes Unternehmen und die Ähnlichkeit mit einem bekannten Lebensmittelkonzern ist kein Zufall: Jan Kounens Film „39,90“ beruht auf dem gleichnamigen Roman des französischen Schriftstellers und Ex-Werbers Frédéric Beigbeider, der seine eigenen einschlägigen Erfahrungen einfließen ließ und in mehreren Minirollen im Film auftritt. Doch die Verfilmung weicht in einigen Punkten von der Vorlage ab: So fällt etwa der grausame Mord an einer prototypischen Shareholderin aus. Dafür findet sich die Schicksalsschleife, in der Octave festhängt, nicht im Buch. Der Film punktet mit großartigen Bildern, in denen verschiedene Realitätsebenen ineinandergreifen, denn Octave erscheint die Welt als eine einzige große Werbebotschaft. Insbesondere seine drogeninduzierten Halluzinationen werden kongenial umgesetzt: einer als surrealer Horrortrip, der andere als durchgeknallter Zeichentrickfilm.
Jean Dujardin, in Frankreich ein ziemlicher Star, schafft es, die Figur des Octave trotz allem so sympathisch darzustellen, dass der Zuschauer am Ende Mitleid mit ihm empfindet – aber Hass auf die Werbebranche. Das ist eine riskante Botschaft: Das französische Kino nämlich wird von den großen Fernsehsendern finanziert, und die leben ja bekanntlich von Werbeeinnahmen. Nicht weniger als sieben Jahre hat es gedauert, den Film auf die Beine zu stellen. Nur die unabhängige Produktionsfirma Pathé sowie der Kultursender arte waren bereit, das Risiko einzugehen, der Werbeindustrie und ihren Kunden auf die Zehen zu steigen.


39,90
F 2007. Regie: Jan Kounen. Mit Jean Dujardin,
Patrick Mille, Vahina Giocante, Elisa Tovati.
Verleih : Luna
FIlm. 100 Min.
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