In Bayern fand die Parabel von der bitteren Sühne für ein erschli*chenes Glück ihre Form in der „Geschichte vom Brandner Kaspar“: einem gerissenen alten Knochen, der den Tod, den Boanlkramer, trunken macht, um ihm beim Kartenspiel noch 21 weitere Jahre auf Erden abzuluchsen. Joseph Vilsmaier bezieht sich auf eine modernisierte Fassung von Franz von Kobells Theaterstück aus dem Jahr 1871.
Franz Xaver Kroetz ertrickst sich in der Titelrolle nicht nur Lebenszeit, er verhindert durch den himmlischen Buchhaltungsfehler auch den ersten preußischen Touristen. Mit dem Bild vom bayerischen Volksstamm, der sogar eines separaten Himmels bedarf, spielt Vilsmaier munter herum. Vor allem die reiche Sprache lässt er durch sein Ensemble wirken: eine Fundgrube an Deklamationen und Volkstümlichkeiten macht Freude.
Selbst Bully Herbig findet darin als Boanlkramer einen Platz, der Exzentrizität nicht nur verträgt, sondern sogar verlangt. Was altbacken wirkt, ist einzig Vilsmaiers visuelle Umsetzung, die trägt ein wenig dick auf.
DIE GESCHICHTE VOM
BRANDNER KASPAR
D 2008. Regie: Joseph Vilsmaier.
Mit Franz Xaver Kroetz, Michael
Bully Herbig, Lisa Maria Potthoff.
Verleih: Constantin. 100 Min.