Arabische Küche für Kinogourmets: Ein Film mit Couscous-Geschmack
Das Kino der Immigranten hat in Frankreich jahrzehntelange Tradition. „Couscous mit Fisch“ kommt dabei ohne jede Kulturpolemik aus.
Von Jürgen Belko
Ungewöhnliche Leinwand-Kost serviert der in Tunis geborene Regisseur Abdellatif Kechiche Cineasten-Gourmets: „Couscous mit Fisch“ statt Blockbuster-Einerleibrei. Der Sprössling nordafrikanischer Einwanderer würzt sein autobiografisch gefärbtes Familiendrama mit Sozial*kritik und Immigrationsproblemen. So ist es kein Zufall, dass der Protagonist ein Emigrant mit arabischen Wurzeln ist, der in Südfrankreich ausgerechnet am „Kai der Republik“ sein Restaurant-Boot eröffnen möchte – und dabei auf jede Menge Widerstände stößt. Analog zur richtigen Zubereitung von Couscous nimmt sich auch Kechiche genügend Zeit, um die Zuseher in das komplexe Beziehungsgeflecht seines Darsteller-Ensembles einzuführen – sie am Alltagsleben der Patchworkfamilie teilnehmen zu lassen. „Es gibt sehr beschauliche Momente in diesem Film, um die Sinnlichkeit in den alltäglichen Handlungen einzufangen: beim Kochen, Essen, Lachen, Lieben, Streiten usw.“, meint Kechiche über den unkonventionellen Duktus seiner preisgekrönten Erzählung.
Kein Fast-Food-Kino
In diesem Sinn ist auch die filmische Ode an familiären Zusammenhalt und Freundschaft zu verstehen – ein bewusster Kontrapunkt zur gesellschaftlichen Ausgrenzung, mit der sein Protagonist konfrontiert wird. Trotz des sozialen Realismus’, mit dem Kechiche sein „Echtzeit“-Außenseiter-Drama (Laufzeit: 151 Minuten!) auflädt, verkürzen subtil pointierte Dialoge die Wartezeit auf den filmischen Höhe- und Endpunkt des Films: Eine Bauchtanz-Vorführung, deren Leidenschaft und Hingabe beinahe physisch spürbar wird. Fazit: „Couscous mit Fisch“ ist mit Sicherheit kein Film für Kino-Fast Food-Junkies.
Couscous mit Fisch (La graine et le mulet)
F 2007. Regie: Ab*dellatif Kechi*che.
Mit Habib Boufares, Hafsia Herzi.
Verleih: Polyfilm. 151 Min.