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Der König und das Meer - 41/2008

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Deine Krone wird rosten

Von Heidi Lexe

Die Geschichte des Bleistifts wurde bereits geschrieben. Dementsprechend kann dieser Bleistift sich mit einem schlichten „Schon geschehen“ aus der literarischen Affäre ziehen. Und das, obwohl der König sich redlich bemüht hat: „Sag etwas! Irgendwas! HUCH oder HEPP oder KARAWANKEN!“ Der Bleistift jedoch „legte sich schlafen“. Doch nicht nur der Bleistift, auch die Trompete, die Biene, der Schatten, die Wolken und der Geist zeigen sich dem König gegenüber ein wenig widerständig.
„Ich bin der König“, versucht der König gleich zu Beginn klarzustellen. Doch seine in sprachlich verhaltenen Miniaturen festgehaltenen Begegnungen zeigen, dass auch derjenige, der die Krone trägt, sich schlichten Wahrheiten stellen muss. „Deine Krone wird rosten. Und du auch“, antwortet ihm zum Beispiel der Regen – weitgehend unbeeindruckt von der Aufforderung des Königs aufzuhören. Schlichte Wahrheiten zu begreifen eröffnet jedoch die Möglichkeit, neue Wege zu gehen und Unbekanntes zu erproben. Und so wird der aus naturfarbenen Papieren collagierte und mit wenigen markanten Ölkreidestrichen charakterisierte König auf den Kopf gestellt, von Müdigkeit beseelt und vom Glitzern einer Schneedecke in Staunen versetzt.
Mit Heinz Janisch und Wolf Erlbruch arbeiten zwei Künstler erstmals zusammen, die ihre Texte und Bilder aus der Kraft der Reduktion heraus entwickeln. Die Begegnungen werden in ihrer Schlichtheit mit jedem Umblättern neu variiert und ermöglichen es, sich an der Seite des Königs durch den Bilderbuchraum zu bewegen und die so simpel erscheinenden und doch so essentiellen Erfahrungen mitzuerleben und nachzuempfinden.

Überraschende Bilder

Der Weißraum der Bilder, in dem Wolf Erlbruch sparsam seine Figuren platziert, schafft dafür den gedanklichen Freiraum; der stilistische Kontrast wiederum, mit dem Erlbruch eine Baumkrone, eine Blume, einen aus seiner Papiervorlage ausbrechenden Vogel ins Bild setzt, weist zurück auf die Überraschungsmomente, die Heinz Janisch seinem König zuteil werden lässt. Das Gesicht in den Regen zu halten, die Wolken ziehen zu lassen, den leuchtenden Stern zurückzuholen, dem Rauschen des Windes in den Blättern zuzuhören: Dies alles scheint ganz und gar aus den üblichen Mustern im Handeln des Königs herauszufallen und darf beim Lesen entdeckt und aufgesammelt werden. „Schon gut! Ich habe verstanden“, stellt der König am Ende fest und springt mit lautem Lachen ins Blau des Meeres. Seine Krone jedoch bleibt am Strand liegen. 


Der König und das Meer
Von Heinz Janisch
Illustrationen von Wolf Erlbruch
Sanssouci 2008
48 S., geb., e 10,30
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