ro ro

Navigation
Literaturkritik | Filmkritik | Dossiers | Suchen
You do not have permission to download files

Der weiße Tiger - 41/2008

Herunterladen
Kofferweise Schmiergelder

Ins heutige Indien blickt Aravind Adigas Roman.

Von Evelyne Polt-Heinzl

Der Erzähler dieses ungewöhnlichen Romans hat viele Namen. „Der weiße Tiger“ ist einer davon, doch ursprünglich hatte er keinen. Munna rief ihn die Familie, das heißt einfach Junge. Sein Vater ist Rikscha*fahrer in einer der finstersten Provinzen Indiens; hier hat sich trotz des Technologieschubs nichts geändert, zumindest nicht zum Besseren.
Alle in jedem Wahlkampf versprochenen Gelder für Sozial-, Gesundheits- und Bildungsprojekte versanden im Korruptionssumpf, auch der Lehrer muss die Kostgelder der Schüler unterschlagen, wenn die Regierung dasselbe mit seinem Gehalt tut. Munna kann die Schule nicht lange besuchen, er muss Geld verdienen; immerhin verdankt er ihr einen Namen: Balram Halwai – wie später den Wählerlisten ein Geburtsdatum –und immerhin hat er lesen gelernt, denn er war ein guter Schüler. Und so sitzt er nun sieben Nächte lang und schreibt seinen ungewöhnlichen Lebensbericht an einen ungewöhnlichen Adressaten: den chinesischen Ministerpräsidenten, dessen Staatsbesuch in Bangalore bevorsteht. Daraus entsteht eine Beispielsammlung über die Armut, über Indien, über Klassengegensätze und über das „Geheimnis geschäftlichen Erfolgs“.

Ein außergewöhnliches Debüt

Die erste Chance bekommt Balram als Chauffeur eines Provinzmagnaten, lästige Konkurrenz schafft er sich dabei mit ein wenig schlechtem Gewissen, aber ohne zu zögern, vom Hals. Er dient ergeben und eifrig, wie es von ihm erwartet wird, steckt jede Form von Demütigung weg – aber er lauscht und lernt viel: über das Verhalten seiner Herrschaft, die Mechanismen des Reichtums und über die Welt insgesamt. Vor allem, als er mit dem in Amerika ausgebildeten und daher dem Diener gegenüber am wenigsten feudal auftretenden Sohn des Hauses, Mr. Ashok, nach Dehli übersiedelt. In der Großstadt sind die Fel*der sozialer Durchlässigkeit größer, doch die dritte Chance muss sich Balram trotzdem selber nehmen. Ashok bringt im Auftrag der Familie regelmäßig und kofferweise Schmiergelder in die Ministerien. Auf einer dieser Fahrten erschlägt ihn Balram und beginnt mit dem Inhalt des Koffers ein neues Leben in Bangalore: Sein Start-up ist ein Tansportservice für die Angestellten der hier tätigen internationalen Konzerne.
Zwischen den kleinen Munna und ein sorgloses Leben hatte die Tradition den Dienergott Hanuman gestellt; ein Weg daran vorbei ist ohne Gewalt nicht möglich. Auch dass die Familie Ashoks sich an seiner eigenen Familie blutig rächen wird, musste Balram in Kauf nehmen. Illusionen sind ihm, der nun Ashok Shama heißt, keine geblieben, aber Befriedigung über den gelungenen Ausbruch schon – und kleine Eigenheiten wie die Leidenschaft für Kronleuchter, die er bestaunte und nun nicht einmal mehr auf der Toilette entbehren möchte.

Aravind Adiga, geboren 1974 in Madras, hat mit „Der weiße Tiger“ ein außergewöhnliches Debüt vorgelegt, sprachlich – in der Übersetzung von Ingo Herzke – wie kompositionell ein selten dichtes Buch über die tödlichen sozialen und politischen Verwerfungen der Globalisierungsprozesse in einem aufstrebenden Land der sogenannten Dritten Welt. Der Roman wurde für die Shortlist des Man Booker Prize 2008 nominiert.


Der weiße Tiger
Von Aravind Adiga Aus dem Engl. von Ingo Herzke.
C. H. Beck 2008. 320 S., geb., € 20,50
You do not have permission to download files


DownloadsII 5.0.4 by CyberRanger & Jelle
Based on ecDownloads 4.1 © Ronin



Powered by vBulletin® Version 3.6.5 (Deutsch) | Copyright ©2000 - 2005, Jelsoft Enterprises Ltd.
ro
ro ro
Werbung
  01:23:16 07.15.2005