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46/2008 - Ich bin ein untypischer Afrikaner

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„Ich bin ein untypischer Afrikaner“

Das Verhältnis zwischen Polizei und Schwarzen in Österreich ist angespannt, trotz vieler Initiativen. Der schwarze Polizist Embe Kandolo kennt beide Seiten. Die Furche hat ihn an seinem Arbeitsplatz in Wien besucht.


Von Leonhard Pagitsch

Embe Kandolo arbeitet in der Anhaltestelle Hernals im 8. Wiener Gemeindebezirk. Hier werden größtenteils Asylanten festgehalten, die gegen ihre Auflagen verstoßen haben. Während er zahlreiche Sicherheitstüren der Haftanstalt auf- und wieder zusperrt, um zum Aufenthaltsraum zu gelangen, scherzt Kandolo mit Andrea Nekvinda. Sie macht die Pressearbeit für die Wiener Polizei und beobachtet das Interview mit Argusaugen. Mit den Medien habe man bei der Wiener Polizei schlechte Erfahrungen gemacht, erklärt sie. Das Thema „Farbige und Polizei“ ist heikel . Embe Kandolo kennt beide Seiten. Zwar wurde der 32-Jährige in Österreich geboren und ist auch im 21. Wiener Gemeindebezirk aufgewachsen, aber seine Eltern stammen aus dem ehemaligen Zaire, dem heutigen Kongo.

Schlechte Erfahrungen

Das Verhältnis zwischen Afrikanern und Polizisten ist in Österreich oft von Misstrauen geprägt. Auch abseits der skandalösen Fälle, die durch die heimischen Medien geistern, gib es Probleme. Viele Farbige fühlen sich von der Polizei diskriminiert, gerade in Wien. Die Wiener Polizei hat in den letzten Jahren einige Initiativen gestartet, um den Vorwürfen zu begegnen. Im Jahr 2000 wurde der Verein „Fair und Sensibel“ ins Leben gerufen, der sich speziell an Afrikaner und Polizisten richtet und versucht, beidseitige Vorurteile abzubauen. Letztes Jahr startete das Projekt „Wien braucht dich“, das sich an vergleichbaren Initiativen in London oder Amsterdam orientiert, sich aber an die spezielle Situation in Wien anpasst, erklärt Polizeikommandant Karl Mahrer. Durch das vom UN-Komitee hochgelobte Projekt soll bis Ende 2012 in jeder der 98 Wiener Polizeiwachen ein Österreicher mit Migrationshintergrund sitzen. Im Moment liegt dieses Ziel aber noch in weiter Ferne. Zwar gibt es schon heute über 60 Beamte mit nichtösterreichischen Wurzeln, allerdings stammen die meisten aus dem EU-Raum. Polizisten mit türkischen oder afrikanischen Wurzeln gibt es kaum. Polizeichef Mahrer will das jetzt ändern, bedauert aber: „Leider gibt es weniger Anwärter aus diesen Regionen. Aufgrund der qualitativ hochwertigen Auslese kann auch nicht jeder die Aufnahmeprüfung schaffen.“ Zu den Rassismusvorwürfen befragt, meint Mahrer: „Natürlich gibt es auch bei uns vereinzelt Vorfälle von Rassismus und Sexismus, leider, aber das ist in der freien Wirtschaft oder irgendwo sonst auch nicht anders. Bei der Polizei werden derartige Vorwürfe aber streng geprüft und gegebenenfalls auch dienst- und disziplinarrechtliche Konsequenzen gezogen.“ Die angesprochenen Konsequenzen fallen aber mitunter zu milde aus. Zumindest entschied dies der Verwaltungsgerichtshof im Fall Bakary J. am 28. des vergengenen Monats. Zur Erinnerung: Vier Wega Beamte hatten Bakary J., der wegen Drogenhandels abgeschoben werden sollte, in eine Lagerhalle gezehrt und ihn dort wüst misshandelt. Nachdem die Disziplinar-Oberkommission im Bundeskanzleramt nur milde Geldstrafen verhängt und die Beamten in den Innendienst versetzt hatte, muss das Disziplinarverfahren jetzt wiederaufgenommen werden.

Alles eitel Wonne?

Embe Kandolo kam schon 2003 zur Polizei, lange bevor es Initiativen gab, die Österreicher mit Migrationshintergrund gezielt angesprochen haben. Die Projekte hält er für eine gute Sache, er arbeitet auch selbst mit, beantwortet Fragen, hält Informationsabende. Rassismus bei der Wiener Polizei bestreitet der gelernte Mechaniker. Zu den Vorfällen bei der Wiener Polizei erzählt er eine Anekdote: „Damals bei meinem ersten Arbeitstag in der Justizanstalt Stein, sieht mich ein älterer Kollege und sagt: ‚Aha, ein Neger‘. Der hat vor mir noch keinen Afrikaner gesehen, außer in Filmen vielleicht. Natürlich kann man das als Rassismus auslegen, wenn man das will. Für mich ist das kein Rassismus. Es kommt auf die innere Einstellung an.“ Ganz anders sieht das Beatrice Achaleke. Die Obfrau des Vereins „Black Women’s Perspective“ und Politikerin der Grünen hat früher selbst Sensibilisierungs-Schulungen für Polizisten im Umgang mit Immigranten geleitet und dabei viele negative Erfahrungen gemacht. „Einige Polizisten wollten mir damals das Gefühl vermitteln, ich sei hier fremd, nur weil ich eine andere Hautfarbe habe. Viele waren nicht bereit, ihre Einstellungen zu überdenken und wollten nur ihre Vorurteile bestätigen.“ Das sei aber kein spezielles Problem der Wiener Polizei: „Solange es Politiker gibt wie die ehemalige Abgeordnete Patrik Pablé, die im Parlament verkünden, Afrikaner seien generell aggressiv, wird sich auch bei der Exekutive nichts ändern. Wir leben nun mal in einer Stadt, in der das Leben von schwarzen Menschen nichts wert ist“, sagt Achaleke und verweist auf Fälle wie den Tod von Omofuma.
Der Polizist Kandolo teilt die Meinung von Achaleke nicht. Er habe mit den Österreichern generell gute Erfahrungen gemacht. Während er eine große Büronadel zwischen den Fingern kreisen lässt, erzählt Kandolo aus seiner Kindheit: „Ich bin im 21. Bezirk aufgewachsen und denke mir, wo habe ich die ganze Zeit gelebt, unter einer Glaskuppel? Natürlich, in einer Stresssituation, wenn man versucht, dem anderen weh zu tun, fallen Worte, hinter denen Rassismus stecken kann. Nach dem Motto: Jetzt habe ich nichts mehr gegen dich in der Hand, jetzt schimpfe ich halt auf die Hautfarbe.“ Zur afrikanischen Gemeinde habe er wenig Kontakt: „Ich bin von der Mentalität her ein Österreicher. Ich gehe meinen Weg, jeder soll den seinen gehen.“
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