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Das Versteck der Minerva - 45/2008

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Revolutionen und Rigorosität

Der ungarische Autor LásZló Márton führt in die Länder der Donaumonarchie des 19. Jahrhunderts.


Von Florian Braitenthaller

„Die Welt zieht, nachdem sie sich dem Gängelband der alten heidnischen Götter entrissen hat und die sorglose Vernunft und der lieblose Weltgeist den Platz des liebevollen, sorgenden Gottes eingenommen
haben, als Luftschiff … weiter ihre Kreise im Nichts.“ Der da so schreibt, heißt László Márton. Mit ihm meldet sich ein vielseitig begabter ungarischer Erzähler klassischen Stils auf der Bühne der mitteleuropäischen Literatur zurück.

Krieg und Kunst

Den pittoresken Hintergrund für sein jüngstes Werk, „Das Versteck der Minerva“, bilden die Kronländer der Donaumonarchie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Minerva ist nicht nur Göttin der Weisheit, sondern auch des Krieges, und Schutzgöttin der Künste. Hinter dem „Helden“ des Romans, Johann B., verbirgt sich der ungarische Schriftsteller und Übersetzer Batsányi János, eine historische Gestalt des Vormärz, jener nach-napoleonischen, Met*ternich’schen Zeit, in der Aufklärung mit Romantik konkurriert und in der Luftschiffe, Panoramen und erste Ansätze der Fotografie revolutionierend wirken, während gleichzeitig ein rigoroser Staatsapparat die Untertanen in Schach hält. Über die Biografie des Johann B. und seiner ihm von Wien nach Linz in die Verbannung folgenden Ehefrau Gabriele von Baumberg hinaus beschreibt Márton die Lebensumstände in einer Provinzstadt, die von skurrilen Figuren aller Art bevölkert wird. Dazu lassen unzählige Anspielungen an zeitgenössische Komponisten, Dichter, Künstler und Philosophen vor dem Auge des Lesers bemerkenswert anschaulich ein Panoptikum jener Zeit entstehen. Wie ein Märchenonkel ist der Erzähler, der aus einem unendlichen Fundus an Geschichten schöpft, präsent – und gibt von Zeit zu Zeit zu erkennen, dass zwischen den dargestellten Ereignissen des Romans und seiner Niederschrift ganze 160 Jahre liegen. Márton beherrscht sämtliche sprachlichen Register – auch die Übersetzung ist meisterhaft. Ein Potpourri aus schier barocker Üppigkeit und überbordender spitzbübischer Erzähllust, hinter der bisweilen dezent die gute alte vanitas hervorblinzelt.



Das Versteck der Minerva
Von László Márton
Aus dem Ungarischen von Eva Zádor und Wilhelm Droste
Folio 2008. 232 S., geb., € 22,50
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