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Ein Augenblick Freiheit - 01/2009

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Vom Recht auf die Freiheit

„Für einen Augenblick Freiheit“: Action, Spannung, Romantik, Humor – das Spielfilmdebüt von Arash T. Riahi hat alles, was die große Leinwand braucht – und ist echtes politisches Kino.

Von Magdalena Miedl

„Wenn ich zeige, was Leute auf sich nehmen, um zu uns zu kommen, dann muss jedem klar sein: Die machen das nicht zum Spaß! Sie müssen das Recht haben, ihren Träumen nachzugehen.“ Flucht als Thema eines atemberaubenden Spielfilms: Der Regisseur Arash T. Riahi (34) lebt und arbeitet in Wien, und er weiß genau, wovon er erzählt. Riahi ist schon mit neun Jahren aus dem Iran nach Österreich gekommen. Sein Vater war bereits unter dem Schah im Gefängnis, weil er kritische Artikel verfasst und Bücher besessen hatte, und das spätere rigide Regime war der Familie unerträglich. Die Flucht nach Österreich hat Riahi immer noch in traumatischer Erinnerung. Seine beiden jüngeren Geschwister mussten zurückbleiben und konnten erst später auf komplizierten Wegen nachkommen – ein typisches Schicksal.
In „Für einen Augenblick Freiheit“, seinem Spielfilmdebüt, zeichnet Riahi die Geschichte einer Gruppe von Menschen nach, die in den Westen wollen, auf der Flucht vor politischer Verfolgung und unerträglichen Lebensbedingungen. Vorlage ist zum Teil die Geschichte seiner eigenen Geschwister, die als kleine Kinder von Freunden aus dem Iran in die Türkei geschmuggelt wurden, in einem lebensbedrohlichen Gewaltakt über die verschneiten Berge des Iraks und der nördlichen Türkei. Auch die anderen Figuren beruhen auf wahren Geschichten, die Riahi im Zuge seiner Recherchereisen erzählt bekam.

Auf wahren Geschichten beruhend

Die Protagonisten des Films sind eine kleine Familie, zwei junge Männer mit zwei Kindern und zwei Einzelgänger, die sich per Zufall angefreundet haben. In Ankara, der türkischen Zwischenstation auf der Odyssee in die Freiheit, stranden sie alle als Asylwerber, und hier, beim verzweifelten Warten auf einen positiven Bescheid, kreuzen sich die Wege der Figuren immer wieder.
Für Riahi ist das nicht die erste filmische Beschäftigung mit dem Flüchtlingsschicksal. Seit seiner Jugend hat er seine eigene, auf der ganzen Welt verstreute Familie gefilmt, alle Treffen dokumentiert und dadurch die Onkel, Tanten, Kusinen und Kusins nicht aus den Augen verloren. Aus dem Material ist 2006 ein Film entstanden, „Exile Family Movie“, der in sehr privaten Bildern vom Leben im Exil und der Sehnsucht nach der Großfamilie erzählt und der bei der Diagonale 06 den Publikumspreis erhielt.
Der Schritt zum Spielfilm war für den Regisseur logisch. „Mit einer Dokumentation könnte ich das Thema in dieser Tiefe und mit dieser Radikalität nicht erzählen“, erläutert Riahi gegenüber der FURCHE: „Dabei muss ich nämlich Rücksicht nehmen auf das Leben der einzelnen Personen – und dadurch kann ich nicht radikal genug sein.“

Ein verstörender Blick auf die Welt

Der Film basiert aber dennoch auf der Realität, auch wenn diese hier konzentriert ist: „Ich wollte einen Film machen, der universell ist und in dem verschiedene Generationen vorkommen und verschiedene Familienkonstellationen. Ich bin selbst mit neun Jahren mit meinen Eltern aus dem Iran geflohen und kann mich noch an Kleinigkeiten erinnern, wie zum Beispiel die Szenen mit dem halberfrorenen Kind in den Bergen oder das in den Schuhen eingenähte Geld – das ist mir selbst passiert.“ Der autobiografische Faktor ist dem Regisseur nicht so wichtig, doch er erhöht die Glaubwürdigkeit, und das schlägt sich auch in prominenten Beurteilungen nieder. Bei einem internationalen Drehbuchworkshop, wo Riahi sein Buch vorlegte, schrieb Filmlegende Sidney Pollack: „Das ist mein liebstes Drehbuch hier! Das sollte genau so verfilmt werden, wie es ist, ein sehr machtvoller und verstörender Blick darauf, was in der Welt vorgeht.“

Internationaler Preisregen

Mittlerweile hat der Film Preise bei Festivals in Frankreich, der Schweiz, Brasilien gewonnen – auch den Wiener Filmpreis der *Viennale. Er begeisterte Publikum und Presse, wo er gezeigt wurde. Immer dann, wenn es zu dramatisch wird, baut Riahi humoristische Elemente ein, und im Übrigen: Was könnte ein dramatischeres, einschneidenderes Erlebnis sein als eine lebensgefährliche Flucht durch mehrere Länder? Doch auch die witzigen Szenen sind tatsächlich recherchierte Ereignisse, bei denen unter anderem ein unschuldiger Schwan sein Leben lassen muss. „Mir ist Humor einfach sehr wichtig, ich wollte keinen Betroffenheitsfilm machen!“, so der Regisseur, „ich wollte die Aussagen, die ich in dem Film machen will, unauffällig hineinschmuggeln, keine moralischen Ansprachen halten.“ Für die iranischen Schauspieler wurde in ganz Europa gecastet, denn ein möglichst akzentfreies Persisch war Bedingung, doch „Perser, die in den Iran zurückgehen wollten, hätten das nach dem Film wahrscheinlich nicht mehr gekonnt“, sagt Riahi. „Es sind viele gekommen, die solche Geschichten durchlebt haben, und die warten alle auf so einen Film!“
Das Ergebnis der Bemühungen zeigt, dass sich das Warten gelohnt hat. Ein Kritiker von Sharvand, der größten persischsprachigen Zeitung Amerikas, urteilt: „Endlich kann man von einem iranischen Exilkino sprechen!“ Riahi ist ein tragikomischer, rasanter und atemberaubender Ensemblefilm gelungen über Fremdenhass, Rassismus und Akzeptanz – ein eindrucksvolles Spielfilmdebüt.



Ein Augenblick Freiheit
A/F 2008. Regie: Arash T. Riahi.
Mit Navid Akhavan, Pourya Mahyari.
Verleih: Filmladen. 110 Min. Ab 9.1.
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