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Ein Geburtstag mehr - 10/2007

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Boshaft und komisch
In „Ein Geburtstag mehr“ erzählt Maria Czedik-Eysenberg Schweres mit leichter Hand.
Von Sylvia M. Patsch

Vor einem Jahr wurde in dieser Zeitung von dem großartigen Entwicklungsroman Das Erbe der österreichischen Autorin Maria Czedik-Eysenberg berichtet. Maria Czedik ist inzwischen 85 Jahre alt und legt nun einen weiteren Roman vor, noch boshafter als der vorige, noch komischer und noch schärfer in seiner Beobachtung menschlicher Schwächen, eingekleidet ins Gewand der so genannten feinen Wiener Gesellschaft: Ein Geburtstag mehr.
1973: Die Hauptfigur, tüchtige Gattin eines Wiener Rechtsanwalts, lässt an ihrem Geburtstag innerlich das vergangene Lebensjahr vorüberziehen. Und dankt in der Michaelerkirche dem lieben Gott, zu dem sie ein naives Verhältnis hat, für viel Gutes: Einen verlässlichen Ehemann, der noch immer ein leidenschaftlicher Bettgenosse ist; zwei wohl geratene Kinder; keine materiellen Sorgen.
Am Ende des Buches feiert sie einen weiteren Geburtstag, aber als eine andere. Alles, was ihr lieb war, ist in einem einzigen Jahr ins Wanken geraten: ihre Kinder haben sie verlassen. Die Siebzehnjährige ist mit einem Schwarzen durchgebrannt, der Sohn hat sich bei einem Studienaufenthalt mit einer französischen Adeligen verlobt, die ihn mit einem anderen betrügt. Ihr Mann hat sich von ihr entfremdet. Die Illusionen über ihre geliebte Schwester sind kaputt, denn diese ist tatsächlich eine Nobelmatratze.

Dieses Buch handelt von der Zeit, die vergeht, ohne dass man es bemerkt, bis auf einmal eine neue Beleuchtung auf unser Leben fällt und alles Bisherige in Frage stellt. Und es handelt von den Zeiten, die anders wurden, freier und frecher in den siebziger Jahren in Österreich. In den Menschen dieses Buches spiegelt sich österreichische Nachkriegsgeschichte, weil die Autorin in Rückblenden den Zweiten Weltkrieg, die Armut danach, das Schweigen über die Vergangenheit heraufholt. Sie reißt schließlich auch ihrer braven weiblichen Hauptfigur die Anständigkeits-Maske vom Gesicht, indem sie einen Seitensprung schildert, dessen Glanz keine Reue aufkommen lässt. Getrieben werden ihre Figuren vom Eros oder, brutaler, vom Spiel der Hormone.
Das Lese-Abenteuer von Ein Geburtstag mehr besteht darin, dass die Autorin Schweres, Schmerzliches, Peinliches mit leichter Hand erzählt und der Komik Raum gibt. Als die Eltern der Kurzzeitverlobten ihres Sohnes, französischer Uralt-Adel namens Plan de la Tour, das Wiener Ehepaar aufs Schloss in die Provence einladen, wird das Standesbewusstsein der Wienerin erschüttert – von einer Dame, die sich durch exquisite Langweiligkeit auszeichnet.
Nie darf man Maria Czedik trauen, denn hinter der nächsten Satzbiegung lauert auf den Leser die unerwartete Wendung, wie es sich für eine menschliche Komödie gehört.
Von ihrer „Heldin“, die ihr Germanistik-Studium gern für eine bürgerliche Ehe aufgegeben habe, schreibt sie an einer Stelle: „Üblicherweise hatte sie, wo immer sie hinging, ein Buch bei sich, denn mit einem Buch konnte einem nichts passieren. Oder zumindest gab es kein trostloses Warten.“ Nehmen Sie das neue Buch von Maria Czedik mit, wo immer Sie warten müssen.


EIN GEBURTSTAG MEHR
Roman von Maria Czedik-Eysenberg
Czernin Verlag, Wien 2007
124 Seiten, geb., € 21,40
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