Mit seinem Spielfilmdebüt „Half Nelson“ bürstet Ryan Fleck den Schulfilm gegen den Strich. Anders als in Filmen wie „Dangerous Minds“ geht es nicht um das Engagement eines Lehrers, der die Unterschicht-Jugendlichen dem Kreislauf von Gewalt und Verbrechen entreißen kann. Im Gegenteil: Fleck zeichnet ein einfühlsames Porträt eines von Ryan Gosling großartig gespielten Lehrers, der im Unterricht leidenschaftlich über die amerikanische Bürgerrechtsbewegung diskutiert, selbst aber desillusioniert ist. Als ihn eine Schülerin, die selbst ins Drogenmilieu abzudriften droht, beim Crack-Rauchen sieht, entwickelt sich zwischen den beiden eine fragile Beziehung, bei der jeder den anderen zu stützen versucht. Der Fokus liegt auf den Protagonisten, fast dokumentarisch fängt die leicht unruhige Handkamera sie ein, um ihre innere Befindlichkeit nach außen zu kehren. Passend ist auch die mäandernde Erzählweise. Etwas aufgesetzt wirken aber die Einsprengsel zu Ereignissen der Bürgerrechtsbewegung, durch die diese private Geschichte in einen größeren Kontext eingebettet werden soll.
Half Nelson
USA 2006. Regie: Ryan Fleck.
Mit Ryan Gosling, Anthony Mackie, Monique Gabriela Curnen.
Verleih: Polyfilm. 106 Min.