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Wir fliegen - 06/2009

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Alle stolpern

Peter Stamms Erzählungen wenden sich unspektakulären Ereignissen zu.

Von Janko Ferk

Peter Stamm sammelt in „Wir fliegen“ zwölf Geschichten, die auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen sind: Die Figuren verlieren sich im Belanglosen, aber auch die Texte erscheinen ausdruckslos und nebensächlich. Die Ereignisse sind unspektakulär, wie etwa Geräusche aus der Nachbarwohnung.
Interessanter ist die Entdeckung einer Witwe, die Jahre nach dem Tod ihres Ehemannes durch die Lektüre von Liebesbriefen von seinem Doppelleben erfährt – der Mann hat ein zweites Leben mit einer Geliebten geführt: „Es waren vielleicht zwanzig gleiche kleine Umschläge, mit schöner Handschrift an Manfreds Büro adressiert.“ Doch leider verabsäumt es Peter Stamm, die Prosa mit aufregenden Originalzitaten aus den Episteln zu würzen. In anderen Geschichten kehrt ein Mann nach mehr als zwanzig Jahren in seine Stadt zurück, in der seine geschiedene Frau am Friedhof liegt, oder begegnet man einem Lehrer, der in seine Heimat zurückfindet, um auf seine Jugendliebe zu stoßen, die ihn nicht erhört. Dramatisch wird es höchstens, wenn der verschmähte Liebende ausrastet und seine Möbel zersägt oder seine Bücher verbrennt. Wenigstens ein männlich-hysterischer Ansatz.

Verpfuschte Leben

In seinen Erzählungen interessieren Peter Stamm die Augenblicke, die das Gleichgewicht seiner Figuren stören. Es sind kleine Risse, die den Menschen die Sehnsucht nach Neuem und Veränderung bewusst machen. Die Beobachtungen bleiben jedoch zu distanziert und unbeteiligt, weshalb Stamms Prosastücke nicht wirklich leben. Die Personen fliegen nicht, sondern stolpern, tanzen höchstens einmal oder baden nackt. Darin sind die Texte letztlich ungewollt in sich schlüssig, weil verklemmte Figuren nicht dazu imstande sind, ihre Flügel auszubreiten. Auf Österreichisch könnte man sagen, der Autor beschreibt „verpfuschte Leben“.
Wahrscheinlich wollte Peter Stamm dramatisch geballte Situationen, die auf kurze Zeiträume zusammengedrängt sind, darstellen. Diesmal ist es ihm nicht gelungen. 


Wir fliegen
Erzählungen von Peter Stamm
S. Fischer 2008. 174 S., geb.,
Euro 17,90
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