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1, 2, 3 dann reite ich durch den ganzen Himme - 10

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Bären im Strassenverkehr

Von Karin Haller

Im Zirkus will man einen guten Platz, um besser sehen zu können. Bei Büchern ist das anders, beim Lesen gibt es keinen besseren oder schlechteren Platz: „Jeder, der ein Buch liest, sitzt ganz vorne. Er kann alle Ereignisse aus der Nähe beobachten. Er sieht jede Bewegung. Er hört jedes Wort. Er hört sogar das leiseste Flüstern“, heißt es im Vorspann.
Genau das ist das Fall bei dieser wunderbaren Ausgabe mit fünf erzählenden Gedichten der 1997 verstorbenen großen österreichischen Kinderbuchautorin. Hier gibt es keine lauten Töne, es wird leise gesprochen, es gibt keine großen Gesten, sondern zarte, behutsame Bewegungen.
Doch weil man als Leser eben ganz nah dran ist, lösen diese zurückgenommenen Töne starke Gedanken und Gefühle aus: In überzeugend schlichter, tiefgründiger und sehr poetischer Lyrik beschäftigt sich Vera Ferra-Mikura mit der Frage nach den Anfängen allen Seins, mit der unendlichen Vielfalt von Individualität, sie erzählt von Bären im Straßenverkehr oder von Elfen und Elfenbein, und sie bietet dem Onkel Emmerich Spiel*sachen im Tausch gegen Ziegenbock und Zauberstock an. Denn damit will die Ich-Erzählerin dieses Gedichts bis zum Abendstern wandern, und mit des Onkels Schimmel will sie durch den ganzen Himmel reiten …

Gelungene Zusammenarbeit

Nicht nur die Texte beeindrucken in ihrer reduzierten Prägnanz; es sind vor allem auch die Illustrationen, die einen dazu bewegen, den schmalen Band immer wieder zur Hand zu nehmen.
In selten so stattfindender und selten so gelungener Zusammenarbeit haben zwei der renommiertesten Bildkünstlerinnen Österreichs Ferra-Mikuras Lyrik zum Ausgangspunkt ihrer freien Assoziationen genommen. Renate Habinger und Linda Wolfsgruber scheinen hier Seelenverwandte zu sein, machen eine sichere Zuordnung der Bilder zu einer von beiden schwer – und auch irrelevant.
Die Illustrationen bewegen sich unter Verwendung unterschiedlichster Techniken auf hohem handwerklichem und ästhetischem Niveau, da wird gedruckt und gerissen und gezeichnet, ausgeschnitten und geklebt. Wie die Gedichte sind sie ruhig und doppelbödig, Grau in allen Schattierungen wird mit pointiert gesetzten Orange- und Rottönen kontrastiert. Auch die Bilder richten ihren Blick auf die Details, da bekommen Knöpfe und Kannen Beine, und auf den Fingern der von eins bis fünf zählenden Hand, die die Texte einbegleitet, tanzen die erstaunlichsten Dinge.
Ein illustriertes Kinderbuch vom Feinsten für alle, die gerne genauer hinschauen und zuhören wollen.


1, 2, 3 dann reite ich durch den ganzen Himmel
Erzählungen und Gedichte von Vera Ferra-Mikura.
Illustr. von Renate Habinger und Linda Wolfsgruber.
Biblio*thek der Provinz 2009. 32 S., geb.,
€ 12,–
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