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Ein Geheimnis - 15/2009

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l Langsame Rückkehr 
des Verdrängten

Claude Miller verschachtelt in seinem Gesellschaftsdrama "Ein Geheimnis" Zeit, Orte und Erinnerungen.

Von Walter Gasperi


Ehe man das erste Bild sieht, hört man tropfendes Wasser. Zum Ton gesellt sich alsbald auf der Bildebene ein Junge, der auf einen Spiegel zugeht, doch die akustische und die visuelle Ebene passen nicht zusammen, scheinen aus verschiedenen Welten zu stammen. Mit dieser Eröffnung stimmt der Franzose Claude Miller auf die Erzählstrategie seiner Verfilmung des autobiografischen Romans des Psychoanalytikers Philippe Grimbert ein. Zwischen den Zeitebenen hin und her springt „Ein Geheimnis“ in den folgenden 100 Minuten, zusammengehalten durch die Perspektive des Protagonisten, durch wiederkehrende Orte und Motive, wobei sich die Teile langsam zu einem komplexen Bild fügen.
So beginnt der Film 1955 in einem Freibad, in dem die Mutter des achtjährigen François sich als blendende Schwimmerin zeigt, während der Junge schwach und ängstlich wirkt. Von 1955 springt Miller ins Jahr 1982, wechselt von Farbe in Schwarzweiß: Ein Anruf der Mutter des inzwischen längst erwachsenen François, die ihm verängstigt mitteilt, dass der Vater nach dem Tod seines Hundes verschwunden sei, löst bei François wiederum Erinnerungen an 1962 aus, als ihn die Nachbarin über ein Familiengeheimnis aufklärte. Verschachtelt in die Erinnerung wird so wieder eine Rückblende, die in die Zwischenkriegszeit und die nationalsozialistische Okkupation zurückführt. Mit schwarzweißem Archivmaterial schafft Miller dabei zunächst ein Stimmungsbild der späten 1930er Jahre, um dann die lange verschwiegene, vor François Geburt liegende Familiengeschichte aufzurollen.
So ungewohnt das Bild ist, das Claude Miller in seinem geschliffen inszenierten und hervorragend besetzten Drama vom Leben des jüdischen Bildungsbürgertums in der Zwischenkriegszeit zeichnet, so bestechend macht er durch die ebenso komplexe wie leichthändige Verschachtelung der Zeitebenen die Mechanismen von Verdrängung und Erinnerung erfahrbar. Eindringlich zeigt er dabei, wie die Gräuel des Nationalsozialismus bis in die Gegenwart hereinwirken, zu lebenslangem Trauma und Distanzierung von der jüdischen Identität führen.


Ein Geheimnis (Un secret)
F 2007. Regie: Claude Miller. Mit Patrick Bruel, Cé-cile de France, Ludivine Sagnier, Mathieu Amalric, Julie Depardieu.
Verleih: Polyfilm. 105 Min.
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