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Che - 24/2009

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Alltag eines Revolutionärs

Mehr als vier Stunden lang porträtiert Steven Soderbergh die Revolutionsikone Ernesto „Che“ Guevara. Der Doppelfilm „Che“ beschränkt sich auf seinen kubanischen Aufstieg und seinen bolivianischen Fall.


Von Walter Gasperi

Früh entdeckte das Kino Ernesto „Che“ Guevara – den 1928 geborenen Argentinier, der eine wichtige Rolle bei der kubanischen Revolution spielte, von Fidel Castro zum Industrieminister ernannt wurde, 1964 aus der kubanischen Öffentlichkeit ver*schwand und in der Folge versuchte, das Revolutionsmodell in den Kongo und nach Bolivien zu exportieren.
Schon 1968 erzählte Richard Fleischer in „Che!“ mit Omar Sharif in der Titelrolle drei Episoden aus dem Leben des Revolutionärs. Zahlreiche Dokumentarfilme wie Richard Dindos „Che Guevara – Das bolivianische Tagebuch“ (1994) über die letzten elf Lebensmonate folgten ebenso wie 2004 Walter Salles Spielfilm „Motorcycle Diaries – Die Reisen des jungen Che“. Während Salles in seinem Roadmovie versuchte, die Entwick*lung des revolutionären Bewusst*seins des großbürgerlichen Medizinstudenten psychologisch zu erklären, geht Steven Soderbergh mit „Che“ einen ganz anderen Weg.
Quer steht sein über vierstündiger, auf Spanisch gedrehter Doppelfilm zu den Biopics, die in den letzten Jahren wohl nicht zuletzt aufgrund eines gesteigerten Inter*esses an der Wirklichkeit, das sich
auch in der Blüte des Dokumentar*films und der „wahren Geschich*ten“ manifestiert, so zahlreich in die Kinos kamen. Der Amerikaner, der sich neben Mainstream-Filmen wie der „Ocean’s Eleven“-Reihe immer wieder auf Experimente einlässt, versucht gar nicht erst, in einer Höhepunktdramaturgie entscheidende Lebensstationen Guevaras abzuhaken und sein Leben in einen Film zu pressen, sondern beschränkt sich ganz auf die ku*banische Revolution (1956–59) sowie Scheitern und Tod im bolivianischen Dschungel (1966/67).

Eine Quasi-Reportage

Sich auf die Tagebücher Guevaras stützend, versetzt Soderbergh den Zuschauer in die Position der Guerilleros und verzichtet dabei konsequent auf Hintergründe und Psychologisierung. Stattdessen zeigt er in „Revolucion“, der mit der Überfahrt von Castro, Guevara und rund 80 Getreuen von Mexiko nach Kuba einsetzt, in einem quasidokumentarischen Reportagestil den Guerilla*-Kampf als geradezu aufreizend undramatische und unspektakuläre Abfolge von Alltagsverrichtungen im Lager und einzelnen Scharmützeln.
Am Ende steht denn auch nicht der glorreiche Sieg der Revolution, sondern „nur“ die Einnahme eines kleinen, wenn auch militärisch wichtigen Vorpostens der Hauptstadt. Gebrochen und unterbrochen wird diese Erzählebene durch in grobkörnigem Schwarzweiß gehaltene Szenen von Guevaras New-York-Besuch und seiner UNO-Rede im Jahr 1964. Der Aktion stellt Soderbergh so den theoretischen Unterbau des revolutionären Kampfs gegenüber.

Ganz aufs Scheitern fokussiert

Ganz auf das Scheitern in Boli*vien fokussiert dagegen der zweite, „Guerilla“ betitelte Teil und bietet damit konsequent eine Gegenbewegung zu „Revolucion“. Was da*zwischen passierte, spart Soder*bergh aus. Auf den dokumentari*schen Beginn mit der Verlesung von Guevaras Abschiedsbrief durch Fidel Castro im Oktober 1965 folgt ein Zeitsprung von einem Jahr. Inkognito reist Guevara in Bolivien ein und wird in den Dschungel gebracht, wo er die Revolution initiieren will. Ruhige Bilder treten hier an die Stelle der Dynamik von „Revolucion“, gleichzeitig künden aber auch die zunehmend blasser werdenden Farben vom unerbittlich, für den Zuschauer quälend langsam näherrückenden Untergang.
Durch den weitgehenden Verzicht auf Großaufnahmen schafft Soderbergh, der auch selbst die Kamera führte, Distanz, die Pathos und weitere Mythenbildung verhindert. Nur am Ende wird mit dieser Perspektive gebrochen, wenn Verwundung und Verhaftung Ches mit Handkamera direkt aus der Sicht des von Benicio del Toro großartig gespielten Revolutionärs geschildert werden. Und bei aller Melancholie über das Scheitern, die den ganzen zweiten Film durchzieht, schlägt Soderbergh nach 262 Minuten, die man – obwohl „Guerilla“ erst Ende Juli ins Kino kommt“ – im Ideal*fall am Stück sehen sollte, mit einer Rückblende einen Bogen zum hoffnungsvollen Anfang.



Che – Revolución (Che: Part One)
F/E/USA 2008. Regie: Steven Soderbergh.
Mit Benicio del Toro, Demian
Bi*chir. Verleih: Senator. 131 min. Ab 12.6.

Che – Guerilla (Che: Part Two)
F/E/USA 2008. Regie: Steven Soderbergh.
Mit Benicio del Toro, Demian
Bichir. Verleih: Senator. 131 Min. Ab 24.7.
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