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Rede des Bären - 27/2009

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Der Bär in der Leitung

Von Karin Haller

In der Stille der Nacht werden Geräusche hörbar, die in der Lärmkulisse des Tages unbemerkt verschwinden. Und wenn man genau hinhört, kann einem das Summen des Kühlschranks oder das Knacken der Heizungsrohre etwas erzählen. Zum Beispiel die Geschichte vom Bären, der in den Leitungsrohren des Hauses lebt, zu stiller Stunde durch die Warmwasserleitungen und Luftschächte klettert, von Stockwerk zu Stockwerk rutscht und so die Leitungen sauber hält. Manchmal brummt er oder streckt eine Tatze zum Wasserhahn hinaus, manchmal sieht er aus dem Schornstein und schaut nach, ob der Mond am Himmel tanzt. Er besucht die Menschen in ihren Wohnungen, unbemerkt, und am Morgen, wenn sie sich das Gesicht waschen, liebkost er ihre Wangen und geht fort in der leisen Gewissheit, etwas Gutes getan zu haben.
Der 1984 verstorbene argentinische Schriftsteller Julio Cortázar ist mit Texten berühmt geworden, die die Grenzen zwischen Realität und Fiktion ausloten. Dass sich seine surreale Phantasie auch für junge Leser und Leserinnen bestens umsetzen lässt, beweist dieses wunderbare grenz*überschreitende Bilderbuch.

Poetisch und zärtlich

Die Poesie und Zärtlichkeit, mit der Cortázar den Bären seine Rede führen lässt, die Leichtigkeit, mit der er weite Räume der Imagination öffnet, sprechen alle an, Kinder wie Erwachsene. Ebenso wie die Illustrationen des spanischen Künstlers Emilio Gonzáles Urberuaga, eines Autodidakten, der sich dem philosophischen Universum des Autors mit leuchtenden Farben und starken Kontrasten annähert. Behände gleitet sein roter Bär durch die Leitungen, sitzt glücklich vor einem Nachthimmel, der nicht nur tiefblau, sondern auch grasgrün sein kann. In den lebensfrohen Bildern wird ganz unmittelbar spürbar, mit welcher Freude der Bär seine Aufgabe erfüllt, wie liebevoll er den Bewohnern seines Haus verbunden ist, ein unsichtbarer und unbedankter Beschützer der Menschen, die da plump und groß und allein liegen und schlafen.
In der Stille der Nacht kann man sich manchmal sehr einsam fühlen. Doch wenn es dann in den Rohren knackt und rauscht, weiß man, dass es den roten Bären gibt, der auf einen aufpasst. Man muss nur genau hinhören.

Rede des Bären
Von Julio Cortázar Illustr. von Emilio Urberuaga. Deutsch von Wolfgang Promies. Bajazzo 2009 32 S., geb., € 15,40
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