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Der Colonel - 32/2009

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Der Tod der Revolution

Im Roman „Der Colonel“ wird nicht nur mit den Mullahs abgerechnet.

Von Beatrix M. Kramlovsky

Es ist Nacht, als junge Milizen den Colonel aus seinem Haus holen. Er weiß, was das bedeuten kann, aber im Moment sorgt er sich nur um seinen einzigen noch lebenden Sohn Amir, der versteckt im Keller vegetiert. Im Amt erfährt der Colonel vom Tod seiner Jüngsten im Gefängnis. Parwanehs Leichnam wird gegen Geld freigegeben und der Colonel hat bis zum Morgengrauen Zeit, das Mädchen zu begraben. Eine Nacht der Rückblicke, Erklärungsversuche, dramatischen Dialoge und Abschiede folgt.
Mahmud Doulatabadi ist der wohl berühmteste lebende Schriftsteller des Iran, viel geliebt, von der Zensur ständig beschnitten. Die politische Zerrissenheit, die sich uns gerade heute offenbart, ist Ergebnis des letzten Jahrhunderts, und Doulatabadi versteht es, verzwickte Zusammenhänge so darzustellen, dass wir eine Menge über unsere Sehnsüchte, Ideologien und träumerischen Wege in Kata*strophen verstehen.

Lektion über Gier, Sehnsucht und Liebe

„Wer zu einem Nichts geworden ist, dem ist alles erlaubt.“ In seiner Verzweiflung über die Irrwege der Kinder und seine eigenen Verfehlungen sucht der Colonel nach Halt und Erklärung. Vergebung erwartet er nicht. Dass die Jugend neuen Ideen folgt und dafür auch kämpft, versteht er, hat er doch selbst Rückgrat in einer schwierigen Situation bewiesen. „In der Revolution sucht jeder Jugendliche seine eigene Wahrheit.“ Aber er zerbricht daran, dass selbst die Jungen schon korrupt sind und sich feige verkaufen.
Jahrzehnte arbeitete Doulatabadi, 1940 im Nordiran geboren und nun in Teheran lebend, an diesem Roman, bevor er ihn seinem wunderbaren Übersetzer Bahman Nirumand nach Berlin schickte, der noch einen hilfreichen Essay mit wichtigen Hinweisen hinzugefügt hat.
Dem Schriftsteller, der unter dem Schah im Gefängnis saß und unter den Mullahs mit großen Schwierigkeiten kämpft, ist mit dem „Colonel“ sein wohl politischstes Buch geglückt. Die Zensur unterbindet daher die Veröffentlichung, denn der Roman bricht zu viele Tabus und geht zu schonungslos mit politischen Systemen und Ideo*logien um. Die sich mit der Macht arrangiert haben, tragen den Idealismus der Jungen zu Grabe, und immer mehr Alte zerbrechen an ihrer Schuld.
Dieses Buch wird wohl erst über den Umweg ins Ausland ein Identifikationswerk für die Iraner werden. Für Europäer ist es ein fesselndes Epos, das einen schmerzenden Blick auch auf die eigene Vergangenheit erzwingt.


Der Colonel
Roman von Mahmud Doulatabadi. Aus dem Pers. v. Bahman Nirumand. Unionsverlag 2009. 280 S., geb., E 20,50
ISBN: 3-293-00402-4
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