ro ro

Navigation
Literaturkritik | Filmkritik | Dossiers | Suchen
You do not have permission to download files

Der Glanzrappe - 32/2009

Herunterladen
Kein Ende des Tötens

Ein jugendlicher Held stolpert durch den amerikanischen Bürgerkrieg, ohne an der Welt der Väter zu zweifeln.

Von Evelyne Polt-Heinzl

Die Kritik war angetan von der „hypnotisch schlichten“ Sprache und der „poetischen Grausamkeit von geradezu goyahafter Kraft“, mit der Robert Olmstead den jungen Robey Childs in die Wirren des amerikanischen Bürgerkriegs schickt. „Der historische Hintergrund des Bürgerkrieges wird unwichtig, wie bei jedem gelungenen Buch dieser Art“, meinte ein Kritiker. Das mag sein, aber bei Olmstead wird vielleicht zu viel unwichtig. Unbestritten enthält Olmsteads Roman Passagen von großer Kraft, aber es bleibt ein Nachgeschmack, nicht weil Olmstead eine Welt schildert, in der, wie in jedem Krieg, Moral und Recht dispensiert sind, sondern weil er einen jugendlichen Helden hineinstellt, der an der Richtigkeit der Welt der Väter und ihren phrasenhaften Lehren trotzdem in keinem Moment zweifelt. Freilich hat es für den Leser etwas wunderbar Entlastendes, wie dieser 14-jährige Parzival nach jeder Wegbiegung auf die für sein Schicksal einzig richtige Abzweigung geführt wird und einfach immer „weiß“ – das Verb findet sich bis zu sieben Mal auf einer Seite – was kommen wird, was er tun muss, was ihn erwartet. So treffsicher findet er schließlich auch den sterbenden Vater unter den 44.000 historisch verbürgten Moribunden, die in der Schlacht von Gettysburg 1863 zurückblieben.

„Wissender“ Parzival

Dabei bricht Robey Childs unwissend von der Farm in den Bergen auf, und die Lehre der Mutter, niemandem zu trauen, stellt sich gleich zu Beginn als falsch heraus, denn der alte Kaufmann schenkt Robey absolut selbstlos ein bei ihm eingestelltes Wunderpferd. Es ist eine Art Reinkarnation von Winnetous Iltschi und bei der Lektüre präsent im Buchcover, das einem gegerbten Fell nachempfunden ist und nicht gut riecht. Allerdings wird Robey sein Rappe kurzfristig gestohlen, noch dazu von einem mickrigen verlausten Männchen, das hätte sich Iltschi nie gefallen lassen.

In Gettysburg sieht Robey dann den Vater sterben, liquidiert einen der unzähligen Leichenfledderer in Selbstjustiz und kehrt ausgerechnet mit jenem Mädchen, dessen Vergewaltigung er kurz zuvor tatenlos zugesehen hat, zur Mutter zurück. Robey „weiß“, dass es noch nicht vorbei ist mit dem Töten. Tatsächlich kommt eines Tages vom Tal herauf der Bruder des Leichenfledderers geritten und wird von Robey abgeknallt, wenig später wiederholt sich die Szene mit dem Vergewaltiger. Natürlich ist die Aussage, dass Krieg die Menschen verroht, zeitlos, da hat sich seit der „Ilias“ nicht viel geändert, doch das ist eine etwas dürftige Ausbeute.


Der Glanzrappe
Von Robert Olmstead. Aus d. Amerikan. von Jürgen Bauer, Edith Nerke. Eichborn 2008. 263 S., geb., € 20,–
You do not have permission to download files


DownloadsII 5.0.4 by CyberRanger & Jelle
Based on ecDownloads 4.1 © Ronin



Powered by vBulletin® Version 3.6.5 (Deutsch) | Copyright ©2000 - 2005, Jelsoft Enterprises Ltd.
ro
ro ro
Werbung
  20:09:04 07.18.2005