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Der Onkel aus Pressburg - 32/2009

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Auf den Geschmack gekommen

Dietmar Grieser lockt mit seinem neuesten Buch die Leser ins Land unter der Tatra.

Von Wolfgang Bahr

„Dem Buchkäufer kommt es auf den Namen des Autors an, nicht auf den des Verlegers“, meint Dietmar Grieser im Kapitel über die slowakischen Wurzeln Samuel Fischers und fügt hinzu, natürlich sei er sich im Klaren, dass er in seiner „Neigung zu Sentimentalität und Prahlerei zu weit gehe, das Renommee des großen Verlegers“ für seine eigene Autobiografie zu nützen. Es sind genau solche süffisante Bemerkungen, die Dietmar Griesers Bücher so unwiderstehlich machen.
Griesers Stil ist klassisch und salopp zugleich, und selbst dort, wo er weit ausschweift, wahrt er die Komposition. Die beginnt im Falle seines jüngsten Buches schon mit der Wahl des Themas: Der „böhmischen Großmutter“ lässt der Wahlwiener jetzt den „Onkel aus Pressburg“ folgen und man hat nicht den Eindruck einer Pflicht*übung, sondern vielmehr, dass er jetzt erst so richtig auf den Geschmack gekommen ist – auch im wörtlichen Sinn, denn Liptauer und Brimsen, Sachertorte und Beugel spielen in seinem neuen Opus eine große Rolle.

Altösterreichischer Nostalgiker

Dietmar Grieser macht kein Hehl daraus, dass er ein „altösterreichischer Nostalgiker“ ist. Das äußert sich beispielsweise darin, dass für ihn das Vielvölkerreich der Donaumonarchie stets ein Ganzes ist, während die Slowaken streng zwischen der eher wohlwollend beurteilten österreichischen und der bis heute ungeliebten ungarischen Reichshälfte unterscheiden.
Doch gerade der österreichische Blickwinkel, der bezüglich der Slowakei noch immer ein ziemlich bornierter ist, macht dieses Buch so wertvoll. Denn Dietmar Grieser tritt nicht als Experte auf, sondern als Detektiv, der mit den Vorurteilen und Wissenslücken seiner Leser behaftet ist; selbst nach Abschluss seiner Rundreise gibt er nicht vor, das Land zu kennen. Aber er hat die Angst vor der Überquerung der March überwunden und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus; zu guter Letzt hat er das Land lieb gewonnen.
Etwas Besseres kann der Slowakei gar nicht passieren. Denn obgleich die Slowaken in dem Buch mit Ausnahme der Sängerin Lucia Popp zumeist nur als Helfer bei der Recherche vorkommen, erfährt man am Beispiel der Lebensgeschichten etwa des Publizisten Hugo Portisch, des Komponisten Franz Schmidt und des Linzer Bischofs Ludwig Schwarz viel von der Geschichte des Landes. Mit Andy Warhol kommen die Ruthenen, mit dem Stressforscher János Selye die Ungarn und mit dem Schauspieler Peter Lorre die Juden und Roma ins Spiel. Mit „Tafel, Griffel, Schwamm“ von Marianka und dem „schwarzen Gold von Gbely“ zollt der Autor sogar den Bodenschätzen Tribut.

Der Onkel aus Pressburg. Auf österreichischen Spuren durch die Slowakei
Von Dietmar Grieser.
Amalthea Signum 2009. 272 S., geb., € 19,95
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