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Du Engel Du Teufel - 32/2009

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Eine lebenslange Obsession

Emmy Haesele und Alfred Kubin: das Dokument einer ausserordentlichen Liebe zum 50. Todestag des Künstlers.

Von Florian Braitenthaller

„Ich war fast 45 Jahre alt, als ich mein Herz, dessen Sehnen ich seit meiner Heirat gestillt wähnte, jäh für eine junge Künstlerin schlagen fühlte. Da meine Frau (…) sich in dieser heiklen Lage so ungewöhnlich klug und taktvoll benahm, überwog gar bald die ältere Neigung, und es gelang mir, den Brand zu löschen.“ So Alfred Kubin, der in Wirklichkeit 55 und ein bekannter „Weiberer“ war, in seiner Autobiografie über eine, auf den ersten Blick ganz banale, dann jedoch außerordentliche Liebesgeschichte, die Brita Steinwendtner hier erzählt: Eine um 17 Jahre jüngere Künstlerin trifft alternden Künstler – und es beginnt eine zweieinhalbjährige Affäre, die der abgekühlte Mann 1936 beendet, während die Frau ihrer Obsession ein Leben lang anhängen wird: „Ich möchte brennen – ich möchte so ganz und gar zu Nichts an Dir verbrennen!“, schreibt sie. Sie, das ist Emmy Haesele (1894–1987), Ehefrau eines Landarztes im Salzburger Unken, Mutter zweier Kinder, Fotografin, Zeichnerin, später auch Flakhelferin. Ihren bizarren Lebenslinien folgt „Du Engel Du Teufel“, und stellt so das außergewöhnliche Schicksal einer spätberufenen Künstlerinnenexistenz vor.
In die biografische Erzählung einmontiert finden sich Brief- und Tagebuchstellen der Emmy Haesele, ihres Mannes Hans, von Alfred und Hedwig Kubin und anderen, sowie Berichte von Zeitzeugen, die Steinwendtner noch befragen konnte. Ein ganzes Jahrhundert Geschichte wird so lebendig, weil Steinwendtner in die Lebensgeschichten ihrer Protagonistin klug die gesellschaftlich-politisch-künstlerischen Zeitumstände verflicht. Ihre Nüchternheit tut besonders gut, wenn sie auf die Nazi-Verflochtenheit aller Beteiligten zu sprechen kommt: Da bleibt sie ganz ihrer Rolle der distanziert schreibenden Dokumentaristin treu. Steinwendtner versteht es brillant, die überschäumenden Liebesäußerungen, Selbststilisierun*gen und ideologischen Aufgebläht*heiten, mit denen Haesele und Kubin ihre Kunstproduktion verbal ausstaffieren, zu entlarven, ohne dadurch deren Zeichenkunst Gewalt anzutun. Die Beschreibung von Fotografien und Zeichnungen (die man gern abgebildet sehen würde) trägt zur Vielschichtigkeit dieses Buches bei.
Erst mit der Trennung von Kubin beginnt Emmys eigene künstlerische Karriere, mit 39 Jahren. Gegen Ende ihres Lebens wird sie kompetent Auskunft geben über dessen Zeichenkunst, ohne ihre Liebe mit einem Wort zu erwähnen. „Sie konnte gut über Grauen, Qual und Abgründe reden, emotional aber ist sie der Schönheit seiner Kunst verfallen.“ Steinwendtner findet bei aller erzählerischen Leichtigkeit klare, unsentimentale Worte, um diese doch wahnsinnige Liebe zu beschreiben. So gelingt es ihr, Entscheidendes zu dieser Liebe zu sagen, auch wenn sie einmal meint: „Aber was läßt sich je wirklich sagen über die Liebe?“


Du Engel Du Teufel. Emmy Haesele und Alfred Kubin – Eine Liebesgeschichte
Von Brita Steinwendtner.
Haymon 2009. 192 S., geb., € 17,90
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