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La teta asustada - 36/2009

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Die Kartoffel im Schoß

Von Otto Friedrich

Der Beginn ist der Tod: In eindringlichem Singsang haucht die alte Frau ihr Leben hinweg. Die zurückbleibende Tochter – Fausta mit Namen – will die Mutter in ihrem Dorf begraben; solange sie am Stadtrand von Lima beim Onkel lebt, bewahrt sie die mumifizierte Leiche unterm Bett auf. Fausta hat „La teta asustada“, also das Trauma ihrer im peruanischen Guerillakrieg vergewaltigten Mutter „mit der Muttermilch aufgesogen“ (siehe oben). Um sich selbst vor sexuellen Angriffen zu schützen, hat sie eine Kartoffel in der Scheide platziert, die dort längst austreibt. Eingesperrt in ihren Körper und ihr Ich muss Fausta lernen, mit der Welt zurechtzukommen. Sie singt improvisierte Lieder auf Ketschua und arbeitet bei einer gleichfalls psychisch unausgeglichenen Komponistin.
Claudia Llosa hat in „La teta asustada“ einen exemplarischen Film geschaffen, der zum Einen die Zerbrochenheit von Menschen durch die Wirren eines Bürgerkriegs nahebringt. In jedem Fall ist er ein Dokument zeitgeschichtlicher Aufarbeitung. Doch zum Anderen entpuppt sich der Berlinale-Sieger dieses Jahres als beinahe unerschöpfliches Reservoir an Symbolen und kulturellen Anklängen an die Mythologie der Andenbewohner, die heilend sein kann oder auch nicht. Dass Fausta die Mumie der Mutter – eigentlich die „Mallki“, so der Ketschua-Ausdruck eines verstorbenen Körpers, der bei religiösen Riten verwendet wird – aufbewahrt, gehört da ebenso dazu wie surreale Momente – neben der Kartoffel im Schoß etwa die Wandlung des ausgehobenen Grabes für die Tote zu einem Planschbecken für Kinder.
Magaly Solier, Llosas Entdeckung schon für ihren ersten Film „Madeinusa“ (2006), spielt die Fausta unnachahmlich. Eine cineastische Betörung, die ein wirres Geflecht feinster Fäden von Beziehungen, Anspielungen, Symbolen zu einem der großen Filme des Jahres verwoben hat. Der Goldene Bär dafür war überraschend. Aber mehr als verdient.


La teta asustada
Peru/E 2009. Regie: Claudia Llosa. Mit Magaly
Solier, Marino Ballón. Verleih: Stadtkino. 94 Min.
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