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Das Recht auf Rückkehr - 36/2009

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Das Lob des grossen Plans

Der niederländische Autor Leon de Winter lässt in seinem neuen Roman keinen Spielraum zu.

Von Anton Thuswaldner

Zu den Privilegien der Jugend gehört es, sich unsystematisch verhalten zu dürfen. Der junge Bram liest „Popper und Solschenizyn und Saul Bellow, wohl wissend, dass ihm die Hälfte entging“. Zur Ausbildung eines eigenständigen Bewusstseins gehört das Flanieren, das zwanglose Ausprobieren von Denkmodellen, die so gegensätzlich gar nicht sein können, als dass sie nicht Platz finden würden in einem neugierigen, aufgeweckten Geist fernab aller Verhärtungen.
Leon de Winter, Jahrgang 1954, Verfasser zahlreicher gerühmter und viel gelesener Romane, hat sein Bewusstsein schon fest ausgebildet. Er weiß, was er will, und das so genau, dass er in seinem jüngsten Roman keinen Spielraum zulässt. Alles ist fest gefügt – kein Gedanke, der sperrig im Raum steht, kein Motiv, das sich nicht brav einfügt, kein Bild, das nicht harmonisch die Idee des Verfassers illustriert, die sich nach und nach überdeutlich aus der Menge der Erzählansätze schält. Israel und das Palästinenserproblem, Kindesentführungen und die Umpolung der Opfer zu politischen Kampfmaschinen, Aufstieg und Fall eines Intellektuellen, die Liebe und wie sie verloren geht und doch wieder aufersteht, der Tod, der an jeder Ecke lauert – das ist doch recht viel für einen Roman, der es darauf anlegt, seine Leser zu unterhalten. Stimmt, solch ein Buch könnte leicht zerflattern. Doch de Winter verlagert das gesamte Konfliktpotenzial, das locker für eine ganze depressive Gesellschaft reicht, in das Herz einer einzigen Person. Alles dreht sich um Bram Mannheim. Als Historiker über die Geschichte des Na*hen Ostens wirkt er erfolgreich, schafft es sogar bis nach Princeton, und dann wird sein Sohn entführt. Mit der Karriere ist es mit einem Schlag vorbei, Bram wird wunderlich, das Buch auch.
Diese Figur muss herhalten, um den Nahostkonflikt in sich auszutragen. Wir sehen, wie sich der jugendliche, pazifistische Bram Wortgefechte mit seinem Hardliner-Vater liefert, wir sehen, wie er in den kommenden zwanziger Jahren des 21. Jahrhunderts in Tel Aviv als Sanitäter Menschenleben rettet, die Opfer von Anschlägen geworden sind. Die Lage hat sich nämlich verschärft. Das Israel der Zukunft ist dramatisch geschrumpft, ein Land ohne Hoffnung, Russland und Polen dagegen gelten als die neuen starken Wirtschaftsmächte. Wer kann, verlässt das sinkende Schiff Israel …

Höhere Ordnung

Der Leitgedanke, der alles zusammenhält, besagt, „dass die Welt keine chaotische Verkettung von Umständen war, sondern sich ergründen und verstehen ließ“. Der Roman legt den sichtbaren Beweis dafür ab. Alles, was geschieht, bekommt seinen Sinn in einem größeren Zusammenhang. Das macht den Roman zu einer bunten, durchaus konservativen Kampfschrift zur Vermeidung jeden Widerstands. Denn was immer wir auch unternehmen, es gehorcht alles einer höheren Ordnung. Die Ästhetik des Romans macht es vor. Kein Wildwuchs, nirgends. Das Treiben der Menschen, so aberwitzig, subjektiv und eigensinnig es auf den ersten Blick auch scheinen mag, geht auf in einem großen Ganzen. Ganz schön und ganz schön ärgerlich.


Das Recht auf Rückkehr
Von Leon de Winter
Aus dem Nieder*ländischen von Hanni Ehlers, Diogenes 2009 551 S., geb., € 23,60
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