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Der Brenner und der liebe Gott - 36/2009

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Quasi Glaubensfragen

Wolf Haas hat seinen Brenner-Krimis eine Fortsetzung geschrieben.

Von Brigitte Schwens-Harrant

„Jetzt ist schon wieder was passiert.“ Mit diesen Worten eröffnete Wolf Haas seine legendären Brenner-Krimis, die man nach dem Band „Das ewige Leben“ (2003) für beendet glaubte, weil es so verkündet wurde. Die Hauptperson, Detektiv Brenner, wurde sicherheitshalber nicht erschossen; es verschied stattdessen der Ich-Erzähler, jener Tonangeber, dessen ungeniert dahingeplappertes Halbwissen, Ellipsen und Wortspiele die Bücher zu einem Lektüregenuss selbst für jene machten, die Krimis sonst links liegen lassen.
Der Tod eines Erzählers hat noch nie am Weitererzählen gehindert, und die Versuchung, nach großen Erfolgen Serien weiterzuschreiben, ist groß – und Haas ist ihr erlegen. „Meine Großmutter hat immer zu mir gesagt, wenn du einmal stirbst, muss man das Maul extra erschlagen.“ Noch ist das Maul nicht erschlagen, daher geht es nach langer Brenner-Pause mit diesem Satz weiter. So ein Erzähler ist nun, wie man im ersten Absatz erfährt, „die Ruhe in Person. Und müsste schon etwas Besonderes passieren, dass ich mich noch einmal aufrege. Die Zeiten sind vorbei, wo mich alles gleich aus der Fassung gebracht hat. Hör zu, warum soll jedes Blutbad mein persönliches Bier sein? An und für sich sage ich da schon lange, sollen sich die Jungen drum kümmern, quasi Credo.“
Da ist er wieder, der berühmte und komische Haas-Sound zwischen mündlich und schriftlich, da ist das „quasi“, und auch das „sprich“ wird nicht lange auf sich warten lassen und die verhatschten Hauptsätze, die mit „weil“ beginnen, und die Ellipsen: „Aber interessant.“
Gesellschaftssatire gibt es wieder in Hülle und Fülle, das Best-of-Böse-Trio Baulöwe, Bankdirektor und Obersenatsrat trifft sich nicht von ungefähr in einer Kitzbüheler Almhütte. Im Fokus des weiteren eine Abtreibungsklinik und die sie belagernden Gegner, Schrebergartensiedlungen, Bauprojekte im Prater – und ein verlorenes Kind. Hurtig hüpft man mit dem Erzähler, tot oder nicht, von einer Assoziation zur nächsten. „Politisch Unkorrektes“ findet Platz neben Lebensweisheiten, die ins Metaphysische reichen, quasi Glaubensfragen. Von diesen ist das Buch durchdrungen, und auch eine Fahrt im Kofferraum mit verbundenen Augen kann zum Symbol fürs Leben werden, in dem Fakten alleine nicht weiterhelfen, sondern es ein Vielleicht braucht, „aber pass auf, was ich dir sage: Eine Angst ist auch eine Vermutung.“


Der Brenner und der liebe Gott
Roman von Wolf Haas
Hoffmann und Campe 2009, 223 S., geb., € 19,60
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