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El Sistema - 41/2009

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„El Sistema“ hat System

Auch außerhalb des Landes macht das venezolanische Musikschulsystem Furore. Der Dokumentarfilm „El Sistema“ vermittelt eine Ahnung davon.

Von Otto Friedrich

Es ist 30 Jahre her, dass der Musiker, Wirtschaftswissenschafter und Politiker José Antonio Abreu in Caracas begann, das erste Jugendorchester zu gründen – um die Jugendlichen aus dem Terrorkreislauf von Armut, Gewalt und Jugendbanden zu entreißen. Daraus entwickelte sich „El Sistema“, das System von Musikschulen und Jugendorchestern in ganz Venezuela – weltweit einzigartig und mittlerweile auch künstlerisch erstklassig. Das Simón Bolívar Jugendorchester wird von Stardirigenten wie Simon Rattle oder Claudio Abbado in den Himmel gelobt, sein Chefdirigent Gustavo Dudamel ist selber ein Kind von „El Sistema“ und der Shooting Star am Welthimmel der Orchesterdompteure.
Das alles ist das erfreuliche Ergebnis jahrzehntelanger Entwicklung. Der Ausgangspunkt war – neben der Freude an der Musik – zunächst ein sozialreformatorischer. Dafür hat Antonio Abreu auch schon den Alternativen Nobelpreis erhalten.
An sechs Tagen der Woche musizieren mehr als 300.000 Kinder und Jugendliche in einer der 270 über Venezuela verstreuten Musikzentren, den so genannten „Nucléos“. Diese liegen meist am Fuß eines Barrios, einer der Vorstädte, wo keine Upper Class lebt.

Musizieren in Ensembles

Im Gegensatz zu europäischen musikpädagogischen Ansätzen steht das Musizieren in Ensembles im Mittelpunkt. Das Einordnen als Teil eines Ganzen fördere gegenseitigen Respekt und Verantwortung für ein übergeordnetes Ziel, so die Philosophie von Abreu. Auch das ist ein sozialpädagogisches Moment, das sich mit dem künstlerischen Impetus kongenial paart: Auf schier unerschöpfliche Reservoirs können die venezolanischen Großorchester zurückgreifen.
Der heute 28-jährige Gustavo Dudamel, schon seit zehn Jahren Chefdirigent den Simón Bolívar Jugendorchesters, wird von den großen Orchestern der Welt herumgereicht – bei den Salzburger Festspielen dirigierte er heuer die Wiener Philharmoniker. Seit 1. Oktober ist er auch Musical Director des Los Angeles Philharmonic Orchestra. Vom 15. bis 19. Oktober gastieren Dudamel und das Simón Bolívar Jugendorchester in Wien.
Unmittelbar davor läuft in Österreich der Dokumentarfilm „El Sistema“ von Paul Smaczny und Maria Stodtmeier an, in dem den beiden deutschen Musikfilmemachern ein authentischer Einblick in die Philosophie und das Lebens- und Musikgefühl dieses einzigartigen Netzwerkes gelingt. Neben Abreu und Dudamel erzählen Schüler, Eltern und Musikpädagogen die Erfolgsgeschichte von „El Sistema“. Zwei Trompeter des Simón Bolívar Jugendorchesters porträtiert der Film ebenso wie vier Schüler einer Musikschule in Caracas.
Lateinamerikas Lebensfreude und Gemeinschaftsgefühl gepaart mit harter Probenarbeit der einzelnen Musiker und der Orchester machen ein Gutteil des Erfolgs von „El Sistema“ aus, das Abreu durch alle politischen Konstellationen in Venezuela navigieren konnte: „El Sistema“ wird vom Staat finanziert.
Berührender Höhepunkt des Films ist das gemeinsame Musizieren eines der Jugendorchester mit einer Gruppe Gehörloser, die die Musik mit ihren Handbewegungen begleiten: Die Episode zeigt, dass „El Sistema“ auch zur Integration Behinderter in einer Gesellschaft, in der Behinderte noch viel erreichen müssen, beiträgt. Der Film bringt „El Sistema“ nahe – und dessen Herausforderung auch für den musikalischen Nachwuchs hierzulande.


El Sistema
D 2009. Regie: Paul Smaczny, Maria
Stodtmeier. Verleih: Polyfilm. 102 Min.
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