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Diese Nacht - 42/2009

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Ein Ende ohne Trauer

Werner Schroeters filmische Desillusionierung „Diese Nacht“ ist ein opulenter Abgesang auf die Zivilisation


Von Matthias Greuling

Es ist die Geschichte einer Rückkehr und einer Flucht. Werner Schroeter, dieser Mann der Opulenz, des theaterhaften Prunks, taucht ein in eine Welt der Finsternis, des Scheiterns, der Endlichkeit und der Zerstörung. In „Diese Nacht“ setzt Schroeter Experiment und Provokation gepaart mit Bombast und Poesie für einen Abgesang auf die Zivilisation ein, unter der er, unter der wir alle leiden. Einen Roman dafür als Vorlage hat er auch gefunden, er stammt vom uruguayischen Autor Juan Carlos Onetti, doch es ist erst Schroeters Zutun, das dessen Textzeilen zu einem audiovisuell überladenen Endzeitdrama macht.

Überladenes Endzeitdrama

Der Arzt und Bürgerrechtskämpfer Luis Ossorio Vignale (Pascal Greggory) kehrt in die fiktive Hafenstadt Santa Maria zurück, wo er seine einstige Geliebte wähnt, und seine Suche führt ihn ins Chaos. Denn in dieser Stadt wütet eine Cholera-Epidemie, die Regierung hat sich aufgelöst, rivalisierende Gruppen kämpfen um die Macht, mittendrin agiert eine Geheimpolizei mit eiserner Hand wie dereinst die Nazi-Schergen. Vor der Stadt lagert ein feindliches Heer und wartet auf die Übernahme. Luis stolpert, innerlich gebrochen, durch feuchte Gassen, durch Nachtclubs und Folterkeller. Seine Geliebte bleibt verschwunden, dafür trifft Luis auf Huren, auf Generäle und an jeder Ecke auf Verrat, auf Willkür, auf den Tod. Nur ein Schiff im Hafen verheißt Rettung und bietet die letzte Möglichkeit zur Flucht. Es ist ein Freund (Sami Frey), der Luis schließlich zwei der begehrten Schiffstickets zusteckt.
Werner Schroeters schauriges Märchen betäubt Augen und Ohren, mischt Dekadenz und Champagner-Orgien mit Folter und blutigen Schlachtengemälden, zeigt viel nackte Haut zwischen frivolen Exzessen und lasziven Eskapaden. Vor der Kulisse der portugiesischen Stadt Porto lässt Schroeter die Welt untergehen, eine Welt, die ohne Moral ist, ohne Humanismus. Die überfrachteten, bizarren Bilder füllt Schroeter mit Horror, Hass und Finsternis, und mit einem grandioses Ensemble, darunter Amira Casar, Nathalie Delon, Bulle Ogier, Jean-François Stevenin, Bruno Todeschini und Elsa Zylberstein. Wann immer Schroeter schwer erträgliche Bilder findet, konterkariert er sie mit atemberaubend schönen Klängen von Mozart, Haydn oder Rossini. Diese Kombination lässt er gar seinen Helden kommentieren: Er sei deshalb in diese Stadt zurückgekehrt, weil man hier zumindest mit Musik sterben könne.
Für Hoffnung lässt Schroeter keinen Raum: „Diese Nacht“ ist Zeugnis einer untergehenden Welt, die Hoffnung nicht verdient hat. Aber auch keine Trauer.


Diese Nacht (Nuit de chien)
F/D/P 2008. Regie: Werner Schroeter.
Mit Pascal Greggory, Bruno Todeschini, Amira Casar. Verleih: Poool 118 Min.
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