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Der Übergänger - 40/2009

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„Wo ich nicht bin, ist Brendel“

Armin Thurnher hat seinen ersten Roman über die lange Geschichte seiner Verehrung des Pianisten Alfred Brendel geschrieben.

Von Maria Renhardt

Österreichkritik taugt nicht immer. Zumindest wollte Falter-Chefredakteur Armin Thurnher, „politischer Journalist mit Hang zum Feuilleton“, vorläufig einmal das Genre wechseln und hat nach zahlreichen politischen Sachbüchern über Österreich erstmals einen Roman herausgebracht. Der „Übergänger“, so der Titel, trägt die Entstehungsgeschichte dieses autobiografisch fest verorteten Buches gleich in sich. Denn abgesehen von der fiktionalen Ebene, die in jedes Werk gewoben ist, das sich Roman nennt, gewährt es auch sehr persönliche Einblicke in Thurnhers Leben.

Große Verehrung

Im Brennpunkt des Geschehens steht die große Verehrung für den Pianisten Alfred Brendel. Der Ich-Erzähler, hinter dem sich zweifellos der Autor verbirgt, hat schon viele seiner Konzerte besucht und bittet ihn im Anschluss an die Verleihung des Beethovenrings um ein Interview. Die Antwort ist ein „freundlich-amüsiertes Lachen. Fast ein Ohr-zu-Ohr-Lachen.“ Dann die Absage, Zeitmangel – welche Niederlage! Zu Brendels Geburtstag hat er einen Text geschrieben, den darf er ihm schicken. Und gerade dieser Artikel ist es, der zum Motor ihres Kontaktes wird. Denn Brendel meldet sich unerwartet, spricht dem Ich-Erzähler aufs Band, schlägt ein Treffen vor, das wegen des 85. Geburtstages des Vaters ausgeschlagen werden muss. Dennoch – aus dieser Verfehlung könnte eine Geschichte werden, meint der Verlag, und Thurnher geht darauf ein.
In dieses Band Brendelscher Andockversuche strickt Thurnher die musikalische Sozialisation des Erzählers im heimatlichen Ländle: Das gelbe Pianino, das die Eltern ertragen, obwohl es in Nuss bestellt worden ist, die begrenzte „häusliche Auswahl an Platten“ – „man lernte Musik durch Aufführungen, durch Vorspielen oder durchs Radio kennen“ –, den ersten ernst zu nehmenden Klavierlehrer Loidl, der erkennt, „dass hier einer zum Üben motiviert werden muss“. Musik wird zum Wasserzeichen dieses Buches. Dann die Reihe der Verfehlungen nach dem Motto „Dort, wo ich nicht bin, ist Brendel“, bis endlich eine Begegnung bei der Schubertiade in Schwarzenberg gelingt.

Blick hinter die Kulissen

Die Verfehlung des Alfred Brendel konturiert den Faden. Aber ebenso interessant ist der Blick hinter die Kulissen des journalistischen Geschäfts samt politischen Animositäten oder schlicht das Persönliche. Silvester wird im Landhaus mit offenem Kamin gefeiert, wo eine Runde bei gutem Essen Grundsatzgespräche führt und nach einer Lesung die Tarot-Karten gelegt werden. „Mit einem ordentlichen Schluck Rotwein verträgt man sogar die eigene Zukunft.“ Wenn Thurnher analysiert, kann auch ein geistvolles Wortspiel daraus werden: „Die ‚Böhmische Granitmasse‘ nährt die Wiener Grantmasse.“ Das ist deshalb so, weil die Zweithäuser der Wiener oft ein „wattegraues Minus“ ins Budget reißen.

Gewollt Gespreiztes

Dennoch merkt man besonders in den ersten Kapiteln des Buches, dass Thurnher Journalist und nicht Literat ist. Im Bemühen um den literarischen Ton steht manchmal auch gewollt Gespreiztes oder manieristisch Formuliertes: „Das Geschlängel ließ Abstand um ihn. Die Schräggänger, Krängung durch Gewicht am Kopf, Ellbogenausleger, unsteten Blicks mit dem Gerät am Ohr unterwegs, Sprachmüll im Markensack, umtanzt von Gebührenimpulsen, umzwitschert von Toccaten und Ouvertüren als Klingeltönen, hielten unwillkürlich Distanz.“
Im Laufe des Buches wird der Ton lockerer, man lässt sich hineinziehen in diese leidenschaftliche Bewunderung für die Musik und in ein interessantes Leben. Thurnher hat fundierte Musikkenntnisse, die es wahrhaft verdient haben, einmal niedergeschrieben zu werden.


Der Übergänger
Roman von Armin Thurnher
Zsolnay 2009. 254 S., geb., € 20,50
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