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Das Vaterspiel - 48/2009

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Der Über-Ich-Shooter

Als „Nachtrag“ zu seiner jahrelangen Beschäftigung mit der Nazi-Vergangenheit sieht Josef Haslinger seinen Roman „Vaterspiel“. Nun hat Michael Glawogger das schwierige Buch verfilmt.

Von Magdalena Miedl

Fast 600 Seiten lang ist „Das Vaterspiel“, Josef Haslingers vielschichtiger Roman über einen jungen Mann, der an seinem mächtigen Vater leidet, und der an historischen, politischen und psychologischen Themen überreich ist: Die österreichische Sozialdemokratie, der Holocaust, der Umgang mit faktischer und moralischer Schuld und Sühne, symbolischer Vatermord, eine unerfüllte Liebesgeschichte, Selbstzerfleischung und Erfolglosigkeit – die Idee, das komplizierte literarische Konstrukt zu verfilmen, klingt wie ein fast aussichtsloses Unterfangen.
Der Grazer Regisseur Michael Glawogger („Working Man’s Death“, „Slumming“) hat es trotzdem versucht – und wurde bei der diesjährigen Dia*gonale mit dem Preis für den Besten Spielfilm belohnt. Vier Zeitebenen hat der ambitionierte Film, mehrere Realitätsebenen, und doch gelingt es, die fragmentarische Geschichte zu umreißen: Da ist Ratz (Helmut Köpping), ein unverbesserlicher Verlierer, der ein Computerspiel erfunden hat, in dem er immer und immer wieder seinen verhassten Vater umbringen kann. Da ist sein Vater (Christian Tramitz), sozialdemokratischer Minister, der mit seiner Machtbesessenheit die Familie zerstört hat. Da ist die Schwester vom Ratz (Franziska Weisz), zu der er eine halb inzestuöse Liebe hegt. Dann ist da die exzentrische Studienkollegin Mimi (Sabine Timoteo), die ihn bittet, im Keller eines Hauses in New York einen geheimnisvollen Umbau durchzuführen. Und dann ist da noch die Zeugenaussage eines Mannes (Ulrich Tukur), der von Massakern an litauischen Juden 1941 berichtet. Doch was hat dieses Protokoll eines lange zurückliegenden Verbrechens mit Ratz zu tun? Und wer versteckt sich im Keller von Mimis Haus?
Mit bemerkenswert präziser Ausstattung setzt Glawogger die Geschichte um, mit viel Gespür für den Niedergang der österreichischen Sozialdemokratie und für eine einst moralisch empörte Generation, deren Energie aber in Bequemlichkeit versandete. Trotz aller Sorgfalt beim Drehbuch verliert sich der Film aber in bedeutungsschwangeren Vieldeutigkeiten. Schon der Roman leidet daran, zu viele Themen miteinander verknüpfen zu wollen, und davon wagt sich die Verfilmung nicht zu lösen. Schade, dass es so gekommen ist.


Das Vaterspiel
A 2009. Regie: Michael Glawogger.
Mit Helmut Köpping, Sabine Timoteo, Christian Tramitz, Ulrich Tukur, Michou Friesz, Otto Tausig. Verleih: Filmladen, 117 Min.
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