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35 Rum - 52/2009

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Die Poesie des Alltags

„35 Rum“: Claire Denis erzählt über die Sehnsucht nach Nähe und den Mut zu Veränderungen.

Von Ernst Pohn

Im Zentrum von „35 Rum“ stehen der Zugführer Lionel und seine fast erwachsene Tochter Josephine. Rund um die beiden, die zusammen in sehr inniger Beziehung in ihrer Pariser Vorstadtwohnung leben, bilden Nachbarn und Arbeitskollegen ein erweitertes Familienumfeld. Da ist Nachbar Noé, der nach wie vor in der alten, unveränderten Wohnung seiner Eltern lebt und damit in der Vergangenheit haften geblieben ist. Die Taxifahrerin Gabrielle, ebenfalls eine Nachbarin, kümmerte sich früher oft um Josephine, als diese noch ein Kind war, und wäre nach wie vor gerne ein Teil dieser Kleinfamilie. Es gibt auch René, Lionels Arbeitskollegen, der mit seiner eintretenden Pensionierung so ganz und gar nicht zurechtkommt.

Schwer fallende Veränderungen

Die französische Regisseurin Claire Denis beschreibt in ihrem Film Veränderungen, die jeder zu vollziehen hat, die aber allen so ungemein schwer fallen. Allzu schön wäre es, an Bestehendem festzuhalten oder einer ehemals glücklichen Vergangenheit nachzuhängen. Die Geschichten dieser Hand voll ganz normaler Protagonisten der Pariser Vorstadt erzählt die Regisseurin subtil anhand alltäglicher Dinge – die Pensionierungsfeier des Ex-Kollegen, das Kaufen eines neuen Reiskochers, ein geplanter Konzertbesuch, der letztlich nie zustande kommt. Mehr durch Bilder, Gesten und Blicke als durch ausführliche Dialoge sind die Beziehungen zwischen den Personen beschrieben.
Über die Alltagssituationen werden vor allem in den Zwischentönen verdrängte Sehnsüchte und hinausgeschobene Entscheidungen spürbar. In einigen filmisch starken Höhepunkten kommen diese Sehnsüchte zum Vorschein, bevor sie danach wieder unter die Oberfläche des Alltagslebens zurückkehren.
Die einzig wirklich starke Beziehung ist jene von Lionel und Josephine. Zwischen ihnen besteht ein starkes Band familiärer Liebe, auf das die anderen, allesamt einsam, etwas neidisch hinüberblicken. Die Vater-Tochter-Beziehung demonstriert die Sehnsucht nach einem ruhenden privaten Pol, der stark macht für die Aufgaben des Lebens „draußen“. Doch sowohl Lionel als auch Josephine wissen, dass die gemeinsame Zeit ein Ablaufdatum hat. Sie haben nur die Möglichkeit, es hinauszuzögern.
Hier kommt auch die Geschichte der 35 Gläser Rum ins Spiel, die zwar Titel gebend ist, im Film aber letztlich gar nicht erzählt wird. Allen besonders Neugierigen sei sie trotzdem verraten, weil sie letztlich für den Verlauf des Films keinerlei Bedeutung, sondern nur Symbolcharakter hat. Mit 35 Gläsern Rum, so die Legende, wollte sich ein karibischer Freibeuter an jenem Tag besaufen, an dem ihm seine Tochter weggenommen werden würde.
Es sind fein verwobene, ganz alltägliche Geschichten über das Loslassen und das Sich-VerändernKkönnen, die Claire Denis in die*sen poetischen, subtilen Film verpackt hat.


35 Rum (35 Rhums)
F/D 2008. Regie: Claire Denis. Mit Alex Descas, Mati Diop, Grégoire Colin. Verleih: Filmladen. 105 Min. Ab 1.1.
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