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A Serious Man - 03/2010

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Judentum – beinahe zeitgenössisch

„A Serious Man“: Der neueste Streich der Gebrüder Coen ist eine köstliche Farce übers fast gegenwärtige US-Judentum.

Von Otto Friedrich

Religion bleibt – vom eben mit dem Golden Globe prämierten „Weißen Band“ bis zum österreichischen Wunder-Film „Lourdes“ – dem gegenwärtigen Kino keineswegs erspart.
Auch die Gebrüder Coen, auf rabenschwarzen Hollywoodhumor abonniert, geben sich in ihrem köstlichen Opus „A Serious Man“ ihrer Religion, also dem Judentum hin. Eine Farce über diesen lebenspraktischen Glauben, der aber den Gläubigen mitunter mehr mit Ratlosigkeit denn mit Praxis zurücklässt. Schon der in einer ostjüdischen Keusche im 19. Jahrhundert angesiedelte Prolog, in dem nur jiddisch gesprochen wird, spannt das Feld zwischen Glaube und Farce auf: Die Keuschnerin hält den alten Rabbi, den ihr Mann zur Suppe hereingebeten hat, für einen Dibbuk, einen Untoten; und um das zu beweisen rammt sie diesem ein Messer in den Oberkörper …

Ein verkorkstes Leben

So konkret blutrünstig geht es anno 1967 in der US-Kleinstadt mit jüdischer Gemeinde im Mittelwesten nicht mehr zu. Obwohl die Probleme Larry Gopniks (Michael Stuhlbarg), Mathematikprofessor am lokalen College, mindestens so viel talmudischer Weisheit bedürften: Ehefrau Judith (Sari Lennick) eröffnet Larry aus heiterem Himmel, dass sie dessen besten Freund Sy Ableman zu heiraten gedenkt – Larry habe daher aus der gemeinsamen Wohnung auszuziehen.
Sohn Danny, 13 (Aaron Wolff), kifft lieber als die hebräische Bibelstelle, die er bei seiner Bar Mizwa rezitieren soll, auswendig zu lernen. Tochter Sarah bildet sich eine chirurgische Nasenverschönerung ein, weswegen sie den Vater bestiehlt. Und zu allem Überfluss hat Larry noch Bruder Arthur (Richard Kind) am Hals, der – lebensuntüchtig – in halbseidene Wettsachen sowie in „Unzucht“ verwickelt ist.
Damit nicht genug: Larry muss einen Scheidungsanwalt und einen nicht minder kostspieligen Advokaten, der Arthurs kriminelle Aktivitäten ausbügeln soll, bezahlen. Außerdem steht er wegen eines teuer kommenden Autounfalls, des Begräbnisses des unvermutet verblichenen Sy Ableman, das er nach Ansicht seiner Frau bezahlen soll, sowie der Mitgliedschaft in einem Schallplattenklub, in die ihn Sohn Danny hineintheatert hat, in der Kreide. Schließlich versucht ihn einer seiner Studenten zu bestechen und zu erpressen, und seine Pragmatisierung steht an: Doch dagegen intrigiert ein anonymer Briefschreiber, der Larry beim Pragmatisierungskomitee anschwärzt.

Was würde HaSchem wollen?

Wer solches Leben fristet, für den ist rabbinischer Rat mehr als angebracht. Also sucht Larry einen Religionsgelehrten auf, um Ordnung in die Wirrnisse zu bringen. Doch den ersten (Hilfs-)Rabbi, an den er gerät, interessieren Parkplatzprobleme mehr als Larrys verkorkste Existenz. Auch Rabbi Nachtner, der Gemeinde-Rabbiner, ist wenig hilfreich: Was würde HaSchem – Gott – wollen? Nachtners nicht falsche Diagnose: „Wir können nicht alles wissen“, die der Rabbiner von sich gibt, während er den Teebeutel in einer Tasse heißen Wassers schwenkt, hilft Larry genauso wenig weiter. Bleibt als Dritter Marshek, der uralte, weise Rabbiner, der nur mehr die Burschen nach deren Bar Mizwa empfängt und sonst Tag um Tag nachdenkt.
Selten hat man in den letzten Jahren jüdische Spiritualität und Alltagsleben im Film so frech und frank miteinander verwoben gesehen wie in „A Serious Man“. Dazu kommt der nach wie vor ungebrochene Hang der Coen-Brüder zum Absurden und zum Surrealismus. All dies wird auch in diesem Film auf die Spitze getrieben.
Obwohl die Geschichte schon in den sechziger Jahren spielt, ist gleichzeitig das alles eingewoben in ein beinahe zeitgenössisches Judentum und vermittelt bei aller Farce einen glaubhaften Einblick in diese Religion.
Man sollte den Gebrüdern Coen niemals einen erzieherischen Impetus unterstellen, schon gar nicht einen religionspädagogischen. Dennoch: „A Serious Man“ wird deshalb ein so köstlich-authentisches Opus, weil die übersteigerte und karikierende Zeichnung der Figuren gleichzeitig viele Körnchen Wahrheit durchblitzen lässt – gerade was das Judentum betrifft.


A Serious Man
USA 2009. Regie: Joel & Ethan Coen. Mit Michael Stuhlbarg, Richard Kind, Sari Lennick, Aaron Wolff, Jessica McManus. Verleih: Tobis. 105 Min.
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