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brennt - 22/2010

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Am Anfang ein Brand

Sudabeh Mohafez erzählt die Geschichte einer Selbstheilung.

Von Anna Rottensteiner

Sie hört nur mehr ein Rauschen und Fauchen, das Bersten von Scheiben, das Knistern des Pianos – Mané, Musikproduzentin und Soundmixerin, hat bei einem Brand ihre gesamte Wohnung inklusive Studio verloren. Aber sie hört noch mehr: die Stimmen von Lars und Pia, die in einer kontrapunktischen Bewegung – Pia ist launisch und streng, Lars ist weich, meint es gut mit Mané – anfangs in Anspielungen, allmählich immer offener, Mané zur Auseinandersetzung mit den Geschehnissen rund um den Tod ihres isländischen Freundes Hjartan führen. Das Trauma, das durch den Brand nur ausgelöst wurde, liegt tief verborgen und offenbart sich der Leserin in seiner ganzen Bandbreite erst nach und nach.

Auf innere Stimmen hören

Sudabeh Mohafez, 1963 als Tochter einer deutschen Mutter und eines iranischen Vaters in Teheran geboren und seit 1979 in Deutschland aufgewachsen, hat neben Anglistik und Erziehungswissenschaften auch Musik studiert. Was mit einer Ouvertüre beginnt: Die Wahrnehmung des Brandes, wie in Zeitlupe, wie unter der Glasglocke des Schocks, führt in einem Crescendo nach und nach zur Einflechtung der verschiedenen Erzähl- und Erinnerungsebenen und letztendlich zur deren Entwirrung. Es ist die Geschichte einer Selbstheilung, die Mohafez erzählt, einer Selbstheilung, die durch das Hören auf die inneren Stimmen zustande kommt, auch wenn einen alle deshalb für verrückt halten. Und sie entwirft mit Mané eine Figur, die beharrlich und ohne falsche Eile der eigenen Wahrheit nachspürt, gegen alle inneren und äußeren Widerstände. Offenheit in der Verletztheit: Dadurch entsteht die Möglichkeit auch von Begegnungen, in denen Zuneigung und Zärtlichkeit Platz gewinnen. Und in der die Zeit andere Dimensionen annimmt.
Die Autorin bewies bereits in ihren früheren Publikationen ein literarisches Gespür für psychische Beschädigungen; mit „brennt“ gelingt ihr eine dramaturgisch sowie sprachlich überzeugende und durchaus spannende Umsetzung dafür, was die Medizin trocken mit zwei Worten bezeichnet: „posttraumatische Belastungsstörung“.
„Jede Wahrheit braucht ihre eigene Sprache“, meint Sudabeh Mohafez. Für die Wahrheit Manés findet sie eine klare und eben auch musikalische Sprache, die benennen will, was im Inneren „brennt“ und lodert.


brennt
Roman von Sudabeh Mohafez
DuMont Buchverlag 2010
208 S., geb., € 19,50
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