ro ro

Navigation
Literaturkritik | Filmkritik | Dossiers | Suchen
You do not have permission to download files

Reisen in die hölle - 23/2007

Herunterladen
Humor hat, wer in der Hölle lacht
P. J. O’Rourke in Kriegsgebiete begleiten – bis Wolfgang Machreich fast, aber dann doch nicht das Lachen vergeht.

Patrick Jake O’Rourke war die letzten 30 Jahre nicht nur Reporter für Magazine wie Playboy, Vanity Fair oder Rolling Stone – der bald 60-Jährige war und ist in seiner Arbeit als Journalist gleichzeitig immer auch Schriftsteller und vor allem Satiriker in einem – letztere Eigenschaft hat ihm schon mehr Nennungen im „The Penguin Dictionary of Humorous Quotations“ eingebracht als jedem anderen lebenden Autor und ihn zu Amerikas führendem Polit-Satiriker gemacht. Dutzende solcher Zitate zum Lachen finden sich jetzt in O’Rourkes Sammelband Reisen in die Hölle und andere Urlaubsschnäppchen, in dem er unter anderem zur Einsicht gelangt: „Frühmorgens weiß man in Jerusalem nicht, in welchem Jahrhundert man unterwegs ist. Aber nachmittags erkennt man es genau – im zwölften, als jeder jedem wegen Gott an die Gurgel ging.“
Die „Andere Bibliothek“, begründet von Hans Magnus Enzensberger, hat gut daran getan, den „anderen Journalisten“ O’Rourke mit seiner anderen Schreibe in ihre exquisite Reihe (Buch 1 bis 999 als handgebundene Lederausgaben, die weiteren 6001 Bücher der limitierten Erstausgabe numeriert!) aufzunehmen: Würde O’Rourke diese Rezension schreiben, könnte er es sicher nicht lassen, über eine derartig noble Aufmachung für ein derartig wenig nobles Buch zu lästern; denn nicht nur in dem dieser Beschreibung zugrunde liegenden Buch mit der Nummer 3298 ist O’Rourke ein früher Vertreter des Gonzo-Journalismus, der nicht zu unrecht einmal als „professioneller Amoklauf“ beschrieben wurde. Gonzo bedeutet das Wegfallen einer objektiven Schreibweise. Es wird aus der subjektiven Sicht des Autors berichtet, der sich selbst in Beziehung zu den Ereignissen setzt.
Reale, autobiografische und oft auch fiktive Erlebnisse vermischen sich gewürzt und aufgepeppt mit viel Sarkasmus, Polemik und Schimpfwörtern. Soweit die Theorie, in O’Rourkes Praxis liest sich das so: Der Reporter ist hinter einer (undichten) Gasmaske Augenzeuge einer mit Tränengas niedergeprügelten Demonstration in Seoul geworden. Danach mit Kollegen in der Bar unterhält er sich „unter heftigem Putzen unserer gasversengten Nasen und heftigem Auswischen unserer gasverbrühten Augen über die koreanische Demokratie. Soweit ich mich erinnere, verlief das Gespräch folgendermaßen: ‚Wozu das Ganze, verflucht?!‘ – ‚Scheiß drauf!‘ – „He, Kellnerin, mehr Whiskey.“
Alkohol, viel, sehr viel Alkohol ist bei O’Rourke immer dabei, aber auch ohne kann er schon recht derb werden, und das nicht nur, wenn er gegen Multikulti- und linke Sozialphantasten wettert; außerdem verfällt dieses „Ohrfeigengesicht“ gerne in eine „Alles Scheiße!“-Stimmung; doch all das soll niemand vom Lesen dieses Buches abhalten – denn wo die Welt eine Hölle ist, kann sie nur ein Teufel beschreiben.


Reisen in die hölle
und andere Urlaubsschnäppchen
von P. J. O’Rourke
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2006, 318 Seiten, geb., € 18,50
You do not have permission to download files


DownloadsII 5.0.4 by CyberRanger & Jelle
Based on ecDownloads 4.1 © Ronin



Powered by vBulletin® Version 3.6.5 (Deutsch) | Copyright ©2000 - 2005, Jelsoft Enterprises Ltd.
ro
ro ro
Werbung
  15:05:12 07.14.2005