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Chloé - 27/2010

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Callgirl für Treuetest

In Atom Egoyans elegantem, aber konventionell erzählten Erotikthriller „Chloé“ engagiert eine Gynäkologin ein Callgirl, um ihren Mann zu testen.

Von Walter Gasperi

Nur Details einer jungen Frau sieht man in der verführerisch eleganten Titelsequenz: Edle Dessous streift sie sich über und spricht aus dem Off über ihre Arbeit: Nicht nur die Länge und Heftigkeit eines Kusses müsse sie genau kontrollieren, sondern auch, was sie sagt und wie sie sich bewegt. – Ohne, dass man das Callgirl Chloé (Amanda Seyfried) gesehen hat, ist die Person damit vorgestellt.
Als Chloé sich von einem älteren Kunden auf der Straße verabschiedet, wird sie von hoch oben von der Gynäkologin Catherine (Julianne Moore) durch das Fenster ihrer Praxis beobachtet. Nicht nur eine Beziehung stellt der Kanadier Atom Egoyan hier durch die Blickrichtung her, sondern betont durch die Perspektive auch Abhängigkeitsverhältnisse. In der Kälte, in der die etwa 50-jährige Ärztin einer Patientin erklärt, dass ein Orgasmus nur Muskelkontraktionen seien, wird auch ihre eigene Unfähigkeit zu Emotionen spürbar. Argwöhnisch beobachtet sie ihren Mann (Liam Neeson), der allen Frauen gegenüber charmant ist, und findet in einem verpassten Flug und einer SMS bald Verdachtsmomente für seine Untreue.

Brüchigkeit von Identitäten

Als Catherine durch Zufall in einem Res*taurant auf Chloé trifft, engagiert sie diese verführerische blonde Kindfrau, um ihren Mann auf die Probe zu stellen – und sich anschließend von den Begegnungen berichten zu lassen.
Erstmals hat Atom Egoyan nicht selbst das Drehbuch geschrieben, sondern den Plot vom französischen Film „Nathalie“ übernommen, ihn aber ins kanadische Toronto verlegt. Wie gewohnt bei Egoyan ist die Inszenierung ungemein elegant. Großartig ist die Arbeit seines fixen Teams, die sinfonische Musik von Mychael Danna ebenso wie die Kameraarbeit von Paul Sarossy. Auch die erlesene Ausstattung lässt keine Wünsche offen.
Wie eine Burg wirkt das moderne Einfamilienhaus des Ehepaares: nach außen offen durch große Fensterfronten, gleichzeitig aber ein glatter massiver Kubus, der unliebsame Einflüsse abhält. Und der Wärme im Innern steht in den Außenszenen das winterlich-kalte Toronto gegenüber.
Was „Chloé“ aber von Egoyans Meisterwerken wie „Exotica“ unterscheidet, ist die Erzählweise. An die Stelle der komplexen Verschachtelung von Zeitebenen, die diese Filme ebenso vielschichtig wie irritierend machte, tritt hier eine lineare Handlungsführung. Ganz bei sich und seinen Themen ist der Kanadier aber, wenn er das sexuelle Begehren erkundet und über die Brüchigkeit von Identitäten reflektiert.
Mit Julianne Moore als reife Ärztin und Amanda Seyfried als Edel-Callgirl hat er die weiblichen Hauptrollen ideal besetzt und raffiniert als Spiegelbilder angelegt. Da spielt Chloé bald mit ihrer Auftraggeberin und erregt sie mit ihren expliziten Erzählungen. Wie so oft bei Egoyan verschwimmen dabei die Grenzen von Realität und Erfindung, wird sichtbar, wie mit Erzählungen manipuliert werden kann.
Allzu sehr den Genreregeln des Thrillers folgt „Chloé“ allerdings im Finale, in dem die Ordnung und die zumindest an der Oberfläche heile Welt wieder hergestellt werden. Offen bleibt da nur, ob dieses Ende als reaktionär oder als Kritik am Verhalten der Oberschicht zu interpretieren ist.


Chloé
USA/Kanada 2009. Regie: Atom Egoyan. Mit Amanda Seyfried, Julianne Moore, Liam Neeson, Max Thieriot. Verleih: Kinowelt. 96 min
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