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AUN - 17/2011

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Gezauberter Traum

Von Otto Friedrich

Die Fragen nach dem Anfang und dem Ende von allem und dem Sinn dahinter bewegen die Menschheit seit jeher. 
Edgar Honetschlägers fantastische Filmparabel „AUN“ ist ein künstlerischer wie gelungener Versuch zum Thema.

Das Erdbeben. Fukushima et cetera. Japan ist dieser Tage in aller Munde. Wenn man die berichteten Situationen der letzten Wochen Revue passieren lässt, dann ist das Wissen der Berichterstatter über Land und Leute mit „enden wollend“ zu charakterisieren. Natürlich bleibt es Zufall, dass mitten in dieses offensichtliche Unverständnis Edgar Honetschlägers Film „AUN – Der Anfang und das Ende aller Dinge“ ins Kino kommt.
Europe meets Japan and a little bit of Brazil – so könnte der Untertitel des exzeptionellen Kunstwerkes eines exzeptionellen Künstlers lauten – eine Verschränkung von Mythologie und Moderne, von Ost und West, Nord und Süd, die durch den aktuellen Weltfokus auf Japan noch besondere Brisanz erhält.
Edgar Honetschläger ist in vielen bildenden und darstellenden Kunstgattungen zu Hause. Seine Performances waren in Ausstellungen über die Welt verstreut zu Gast – von der documenta in Kassel bis zur Kunsthalle Wien und dem Nationalmuseum in Taipei.

Wanderung zwischen den Kulturen

Der gebürtige Österreicher ist ein Wanderer zwischen den Kulturen. Wenig überraschend, dass er sich unter anderem auf die Anthropologie von Claude Lévi-Strauss beruft. Zehn Jahre Aufenthalt in Japan haben Honetschläger stark geprägt. In Wien hat er das EDOKO-Institut gegründet, das auf den Kunst- und Kulturaustausch zwischen Japan und Österreich den Schwerpunkt legt und auch die Basis für Filmschaffen bietet.
AUN ist ein Film wie ein Gemälde, eine Art zeitgenössischer Flügelaltar, der in verschiedenen Bildern und Zeitebenen vom Anfang und vom Ende der Welt erzählt. Die Mythen der Vergangenheit, die Verschränkung von Natur und Mensch sind ebenso Thema wie die bedrängenden Fragen der Gegenwart, die ihre Entsprechung in der Vergangenheit und in der Wiederkehr der Mythen haben.
Aun, dessen Name „der Anfang und das Ende aller Dinge“ bedeutet, ist der Sohn des japanischen Erfinders Sekai („die Welt“), der das Energieproblem der Menschheit gelöst haben will, weil er einen Motor entwickelt hat, der Wasser verbrennen kann.
Als kleiner Bub findet Aun eine Meeresschnecke, die Sekai den letztlich Tod bringt. Jahrzehnte später setzt in Brasilia der Taubstumme Euclides die Experimente Sekais fort. Und weil er die Meeresschnecke als wesentlichen Puzzle-teil auf dem Weg zum Glück der Menschheit vermutet, schickt er seine Gattin Nympha auf die Suche nach Aun in Japan. Der wirkt nach einem eher ruchlosen Leben nun als Shinto-Priester und kann Euclides die Meeresschnecke aushändigen. Doch die Natur in Gestalt von Feen und Elfen fühlt sich bedroht – und Euclides muss sterben, aber nicht ohne mit einem Hauch die Welt aus dem Universum verschwinden zu lassen …

Archaisches und Modernes

Archaische Vorstellungen und moderne Fragen (wie eben jene der Energieknappheit) verwebt Honetschläger in seine betörend fantastische Parabel, die bekannte Assoziationen von Ursprung und Ende aller Dinge aus allen möglichen Kulturen zusammenbringt. Fortschrittsskepsis und das Hochhalten alter Weisheiten, die sich in Vorstellungen von guten und bösen Geistern manifestieren, hat Honetschläger zu dieser grandiosen Auseinandersetzung mit der Welt und dem Menschen montiert. Zeit- und Bewusstseins-ebenen changieren ebenso wie die Bilder, die der Künstler den Betrachtern zumutet. „Die Wirklichkeit interessiert mich nicht“, meinte Edgar Honetschläger in einem Interview über AUN: „Mein Leben ist ein Traum, darum träume ich nie. Aber für die Zuschauer suche ich, einen Traum zu zaubern.“
Ob eine künstlerische Arbeit, ein Film zumal, solchem Anspruch Genüge tut? „AUN“ ist der Beleg dafür: Es kann gelingen.


AUN – Der Anfang und das Ende aller Dinge
JAP/A 2011, Regie: Edgar Honet-schläger. Mit Hiyori Yuki, Rosanne Mul-
holland. Stadtkino. 100 Min. Ab 6. 5.
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