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Godard trifft Truffaut. Deux de la Vague - 30/2011

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Zwei auf der Welle

Von Otto Friedrich

Claude Chabrol und Éric Rohmer sind 2010 gegangen. François Truffaut war schon 1984, gerade 52-jährig, verstorben. Bleiben gerade noch Jacques Rivette und Jean-Luc Godard, beide in ihren Achtzigern, welche vom Kern der „Nouvelle Vague“ noch am Leben sind. Zeit für eine Film-Geschichtsstunde, zumal die jungen Wilden an der Schwelle der 50er- zu den 60er-Jahren nicht nur Filmhistorie schrieben, sondern auch mehr oder weniger unverblümte Vorläufer der 68er-Generation waren.
Emmanuel Laurents Dokumentarfilm „Godard trifft Truffaut – Deux de la Vague“, der im Wiener Top-Kino zu sehen ist, entpuppt sich als exzellentes Vehikel, um filmhistorische Bildungslücken zu schließen oder das Altbekannte in den Zusammenhang einer fragilen, am Ende zerbrochenen Beziehung zu setzen. Denn François Truffaut und Jean-Luc Godard waren nicht nur die Protagonisten der Nouvelle Vague, ihre geradezu antipodische Freundschaft (und spätere Gegnerschaft) eignet sich zweifelsohne als Vehikel des beschriebenen Anliegens.

Eigentlich ein „Trois de la Vague“

Als Dritter im Bunde agiert Jean-
Pierre Leaud, jener Schauspieler, den Truffaut als Kind für seinen Langfilmerstling „Sie küssten und sie schlugen ihn“ entdeckt hatte, und der auch von Godard darstellerisch beschäftigt wurde: Im Gegensatz zum Titel ist der Dokumentarfilm somit ein „Trois de la Vague“. Regisseur Laurent montiert sein Opus fast ausschließlich aus Filmausschnitten und Originalaufnahmen der Protagonisten.
Es gelingt ihm, zeitlich nicht linear, aber erzählerisch konzis eine aufregende Epoche nachzuerzählen: Etwa, wie de Gaulles Kulturminis-ter André Malraux 1958 Truffauts Erstling aufs Festival von Cannes zwingt, wo die ungeschminkt erzählte Geschichte eines Burschen, der von seiner Familie vernachlässigt und allein gelassen wird, Furore macht. Truffaut hat hier auch seine eigene Jugend als uneheliches Kind, das im Erziehungsheim landet, vor 
Augen.
Die Nouvelle Vague wird so in Cannes 1958 geboren. Truffauts Erfolg ermöglicht den Start seines Freundes Jean-Luc Godard. Der Schweizer, anders als Truffaut aus begütertem, calvinistisch geprägtem Haus stammend, braucht den Freund dennoch. Dessen Erfolg ebnet ihm den Weg zu Geldgebern, auch den Stoff für Godards Spielfilmerstling „Außer Atem“ steuert Truffaut bei: Die (wahre) Geschichte eines Polizistenmörders gerät unter der Hand von Godard zum revolutionären Werk: Der Typ des in den Tag hineinlebenden Keinkriminellen, mit dem Jean-Paul Belmondo berühmt wurde, ist damit ebenso gemeint wie die Handkamera, die entgegen aller Regeln der Kinematografie hier eingesetzt wurde oder rasante Kamerafahrten und eine neue Schnitttechnik. Das alles brachte gleich den Silbernen Bären bei der Berlinale 1960 für die Beste Regie.
Ursprünglich waren Truffaut wie Godard Filmkritiker in André Bazins Zeitschrift Cahiers du cinéma: Dass Theoretiker und Rezeptoren dann selber zu Filmschaffenden wurden, ist gleichfalls unerreichtes Charakteristikum der 
Nouvelle Vague geblieben. Überraschend war die Entwicklung, das wird auch anhand des Dokumentarfilms klar, aber doch nicht so – denn Truffaut wie Godard hatten unter der nach ihren Augen künstlerischen Ödnis des Filmschaffens gelitten: „Der französische Film krepiert an falschen Legenden“, war es aus Truffaut in einem Cahiers-Artikel herausgebrochen.

Bruch einer Freundschaft

Dabei bauten auch sie auf Legenden – Jean Renoir, Fritz Lang oder Alfred Hitchcock, der nicht zuletzt für François Truffaut zum filmischen Übervater wurde. Erst mit der Politisierung der Künstler in den 60er-Jahren, begann die persönliche wie künstlerische Entfernung zwischen Godard und Truffaut zu steigen.
Hatten sich beide noch an den Protesten gegen Kulturminister Malraux, der versucht hatte, Henri Langlois, den Leiter der Cinémathèque française, in die Wüste zu schicken, federführend betei-
ligt, so war Truffaut für Godard später zu wenig radikal: Während Truffaut versuchte, trotz Politisierung seinen Filmstil beizubehalten, pochte Godard auf Unbedingtheit auch im filmischen Ausdruck. Godard nennt Truffaut angesichts seines Film „Die amerikanische Nacht“ (1973) einen „großen Lügner“. Der revanchiert sich in seiner 20-seitigen Antwort auch mit dem Satz: „Seit langem will ich dir sagen, dass du ein richtiger Arsch bist.“ Der Bruch einer Freundschaft war damit perfekt.


Godard trifft Truffaut – Deux de la Vague
F 2010 Regie: Emmanuel Laurent
Mit: François Truffaut, Jean-Luc Godard, Isild Le Besco
Top-Kino/Mouna 110 Min.
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