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Kein Nichts - 44/2010

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Kein Nichts

Von Karin Haller

Da liegt ein Kind friedlich im Bett und will eigentlich schlafen – als der Hase kommt, ja, nicht irgendeiner, sondern der Hase, offensichtlich ein alter Bekannter, der es sich öfter auf dem Sessel gemütlich macht. Und Fragen stellt: „Woher kommst du, Kleine? Woher kommen Beine, Augen, Nase?“ Das Mädchen gibt sich redlich Mühe mit ihren Antworten: „Aus Mamas Bauch, sag ich dann. Da warst du auch, irgendwann.“ Doch der Hase nervt und bohrt weiter, und so entspinnt sich ein Dialog zwischen den beiden darüber, was vorher war – vor Mamas Bauch. Das Kind überlegt verschiedene Optionen, ist sich sicher, dass wir irgendwie überall sind, der Hase nimmt den Part des zynischen Nihilisten ein: „Du warst ein Nichts. Allein, im dunklen Nirgendwo.“ Das kann die Ich-Erzählerin so nicht gelten lassen, schleudert ihm ein lautes „Nein“ entgegen, macht das Licht an – und bringt ihren Diskussionspartner so zum Verschwinden: „Warum? Ich glaube, Hasen mögen nicht, wenn man ihnen widerspricht.“
Die junge Vorarlberger Künstlerin Alice Wellinger bleibt in der Verhandlung ihres philosophischen Themas glaubwürdig innerhalb des Erlebnis- und Vorstellungshorizonts von Kindern und erweitert ihn durch fantasievolle, kreative Gedankengänge. Die Reimform betont dabei das Spielerische, Leichte des Dialoges, trägt dazu bei, dass auch der destruktive Hasen niemals bedrohlich wirkt.

Digitale Radierung

Wirklich bemerkenswert wird der schön ausgestattete kleine Band aber durch seine Illustrationen: In Schabkartontechnik wurden die Zeichnungen mit dem Messer aus einem mit schwarzer Wachskreide bemalten Karton herausgekratzt und dann am Computer weiterbearbeitet – eine Art „digitale Radierung“. So entstanden Bilder voller Intensität, Spannung und Ausdruckskraft; die fast magisch wirkenden Figuren bewegen sich in einem ruhigen, reduzierten Kosmos, weiten Räumen, die wie der Text viel Platz für eigene Gedanken und freie Assoziationen lassen, dann aber auch wieder mit liebenswerten Details überraschen. Ein Bilderbuch mit vielen Ebenen, zum Vorlesen und Anschauen und zum Reden darüber, wie das so sein könnte mit den Ursprüngen und Anfängen. Vielleicht sind wir ja als Kaulquappentiere um die Wette geschwommen oder haben in einem anderen Leben in einem Schloss gewohnt, die Welt von oben angesehen oder im Mai als Akelei im Gras geblüht ...


Irgendwo, Irgendwann
Von Alice Wellinger. Bibliothek der Provinz 2010.
28 S., geb., e 15,00
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