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Wundersame Verstrickungen - 44/2010

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Wundersame Verstrickungen

Oksana Sabuschko verwebt Vergangenheit und Gegenwart der Ukraine zu einem umfangreichen Roman.

Von Brigitte Schwens-Harrant

Literatur muss nicht einfach sein, beileibe nicht, aber ein bisschen Durchblick hat man doch gerne. In dieser Hinsicht macht es Oksana Sabuschko den Lesern auf den ersten 200 Seiten ihres neuen Romans „Museum der vergessenen Geheimnisse“ nicht leicht.
Das liegt einerseits an der Erzählweise, denn Sabuschko gräbt ihre Geheimnisse sehr geheimnisvoll aus. Das kann aber andererseits auch daran liegen, dass österreichische Leser möglicherweise nicht genügend Kenntnisse über die Geschichte der Ukraine mitbringen, ohne die dieser dichte Roman zunächst aber kaum verstanden werden kann.

Alter und neuer Widerstand

Empfehlenswert wäre daher vor der Lektüre eine kurze Auseinandersetzung mit der komplexen ukrainischen Geschichte. Dann findet man sich besser zurecht in diesem Geflecht aus Widerstandskämpfern und Verrätern, Ostukrainern und West*ukrainern.
Sabuschko blickt tief in die Vergangenheit, in die stalinistische Zeit. Ihre Hauptfigur, die Leiterin eines staatlichen Fernsehprogramms, der aber bald gekündigt werden wird, findet das Foto der Widerstandskämpferin Olena Dowhaniwna, beginnt sich für sie zu interessieren, möchte einen Film über sie machen – und schon verwebt sich ihre Geschichte mit jener der unbekannten Frau: „Wir sind durch die Zeit ineinandergeflochten, ohne eine Vorstellung davon zu haben, die Toten, die Lebenden und die Ungeborenen, und wer weiß wie viele und welch wundersame Verstrickungen noch geflochten wurden ...“
Diese Erkenntnis soll im Roman Form finden. Sabuschko verstrickt darin wundersam nicht nur Figuren und Schicksale, sondern auch die Geschichte der Ukraine mit der Gegenwart des Landes: „Waffenhandel, Drogenschmuggel, Buntmetalle, illegales Abholzen der Karpatenwälder, Mädchen ‚zum Arbeiten in Europa‘“. Auch Widerstand bleibt keine Sache von damals. Die Redakteurin opponiert gegen den neuen Journalismus der Gegenwart, in dem Unterhaltung hergestellt werden soll, „die leicht durch die Hirnwindungen flutscht“, und nimmt dafür auch ihre Kündigung in Kauf: „dass es nur den gibt, der zahlt und der deshalb anschafft. So denken die, die zahlen, und das ist normal. Abnormal aber ist, dass ihnen niemand widerspricht.“


Museum der vergessenen Geheimnisse
Roman von Oksana Sabuschko. Aus dem Ukrainischen von Alexander Kratochvil.
Droschl 2010. 759 S., geb., e 29,90
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