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Aussichtslose Liebe - 01/2011

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Aussichtslose Liebe

Alain Claude Sulzer erzählt in seinem neuen Roman „Zur falschen Zeit“ von einer Vatersuche.

Von Christa Gürtler

Ein Schwarz-Weiß-Foto zeigt das Porträt eines jungen Mannes, die Zeiger auf einer Uhr am Handgelenk stehen auf Viertel nach sieben. Es ist diese ungewöhnliche Uhrzeit auf dem einzigen Foto des wenige Wochen nach seiner Geburt durch Freitod verstorbenen Vaters, das beim siebzehnjährigen Sohn jene Irritationen auslöst, die ihn neugierig machen auf jenen Mann, von dem ihm die Mutter wenig erzählt hat und dessen Hinterlassenschaft verloren gegangen ist.

Kein Ausweg für den Vater

Der junge Mann entdeckt auf der Rückseite des Fotos, das von einem professionellen Fotografen zu dieser ungewöhnlichen Tageszeit aufgenommen wurde, Name und Adresse: André Gros, 53 Rue Blanche, Paris, 9. Arrondissement. Es ist der Name seines Patenonkels, den er noch nie gesehen hat und von dem er nur weiß, dass er ein Jugendfreund des Vaters war und in Paris lebt. Auf Nachfrage erklärt die Mutter, dass sie ihm nach dem Tod ihres Mannes die Uhr geschenkt hat, die der Sohn unbedingt als Erbstück tragen möchte.
Der Ich-Erzähler begibt sich in Alain Claude Sulzers kunstvoll arrangiertem Roman „Zur falschen Zeit“ auf die Spurensuche nach dem verstorbenen Vater, reist nach Paris, sucht André Gros auf, bekommt von ihm die Uhr und einige Briefe, die sein Vater aus der Nervenheilanstalt, in der er mehrfach einige Wochen verbrachte, an ihn geschrieben hat.
Von diesen Aufenthalten erhofften sich sowohl seine Eltern als auch er selbst Heilung von seinem abweichenden Sexualverhalten. Zwar nicht mehr verboten, aber dennoch als „abnorm“ galt in der Schweiz der 1940er und 1950er Jahre Homosexualität. Auf der Suche nach der Todesanzeige seines Vaters entdeckt der Sohn in einer Zeitung zwei nicht zufällig nebeneinander stehende Anzeigen: Am 15. August 1954 starben Emil Ott und Sebastian Enz. Emil versuchte sich zunächst durch die Heirat mit Veronika und dem Lehrberuf an ein bürgerliches Leben anzupassen, bis der Amour fou zu Sebastian der mühsamen Konstruktion den Boden wegzog und beide keinen Ausweg sahen.

Identitätsfindung des Sohnes

Präzise und diskret rekonstruiert Alain Claude Sulzer auf außerordentlich spannende Weise in zwei sich durch vielschichtige Motivketten verschränkenden Erzählebenen die dramatische und aussichtslose Liebesgeschichte zweier junger Männer zur falschen Zeit und die Identitätsfindung eines Sohnes in der Geschichte seines ihm unbekannten Vaters.


Zur falschen Zeit
Roman von Alain Claude Sulzer
Galiani 2010. 232 S., geb., e 19,50
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