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„Späße wollen blubbern“ - 14/2011

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„Späße wollen blubbern“

Christian Steinbacher verlockt zur lustvollen Auseinandersetzung mit Sprache.

Von Maria Renhardt

Der oberösterreichische Autor und Verleger Christian Steinbacher ist literarisch gesehen im experimentellen Raum zu Hause und präsentiert seinem Publikum mit seinen Textarbeiten keine leichte Kost. Vielmehr gibt seine Dichtung, wie Franz Schuh im Klappentext feststellt, „Rätsel auf“. Das gilt auch für seinen neuen Band „winkschaden, abgesetzt“, der neben Hör- und Sprechtexten vorwiegend Lyrik aus den Jahren 2006 bis 2010 vereint. Für sein Langgedicht „Kaum konzertante Konzentrate“, das ebenfalls in seinem jüngsten Buch enthalten ist, ist ihm vergange*nes Jahr der
Literaturpreis Wartholz verliehen worden. Zur Juryentscheidung meint er im Standard: „Mein Text steht exemplarisch für eine Möglichkeit, wie Sprache auch funktionieren kann … Ziel ist es, der Sprache, die uns in einer grimassierten Form auslacht, zurückzulächeln, indem wir die Verzerrung zurückwerfen. Das ist eine Möglichkeit der Freiräume in der Kunst.“ In diesem Sinne heißt es auch im Eröffnungsgedicht „Späße wollen jedoch blubbern, bis der Tag unterliegt“.

Spiel mit Bedeutung

Vergeblich wird man in Steinbachers Poesie narrative Strukturen oder leicht auflösbare Bilder finden, weil er konsequent auf innovative Verfahren setzt, die ein Aufbrechen der gängigen Syntax und Semantik intendieren. Das funktioniert manchmal durch Verschieben („geredet
geerdet“) oder Verschachteln einzelner Wortteile, wie beispielsweise bei Jandl oder anderen sprachavantgardistischen Autoren, wobei er wie diese besonders die lautliche Komponente fokussiert. Steinbacher decodiert die Mehrdimensionalität von Sprache und konzentriert sich auf den semantischen Nuancenreichtum von Worten, indem er deren Segmente sprachspielerisch auslotet und neu verortet. Zum Beispiel so: „Kamst nur vorbei? / Du? Ich? Oder ganz ohne Kamm“. Hier tummeln sich Alliterationen, Sprachspiele, neu gewürzte Redewendungen („nimmst eher ab da keinem Mund, /was nicht herunterfällt vom Blatt“), ein buntes Spektrum von Binnen- oder Schlagreimen tut sich auf, daneben stehen kühne Metaphern: „Milchschlaf, nimm hier drei / Leckwinter, den zieh vor / Beißengel, häng wie alle“.
Anstöße dazu liefern ihm Kunst*ereignisse, Konzerte, Theateraufführungen, das „Wortmaterial“ aus bestimmten Büchern oder sogar simple Nachrichten. In einem Interview mit Reinhard Winter äußert er sich zu seinem Verfahren einmal so: „Ich sehe die Wörter haptisch in ihrer ganzen Ausstrahlung, und wenn ich Wörter zusammenfüge, dann greife ich ja in diese Wörter hinein, rühre und stelle um und gebe sie der Welt neu zurück. Ein Wechselstrom.“
Hinter all dem steckt jedoch harte Spracharbeit. Mit der Neupositionierung von Worten in veränderten Kontexten erschließt Steinbacher neue Sprachhorizonte und erhellt ungewöhnliche Sinnfelder („Schöpft ab die Kunst, spricht man von Freiraum“).

Schillernde Vexierbilder

In den Anmerkungen am Schluss gibt er Hinweise zu einzelnen Texten. Eine Meldung über Michael Jacksons Versuch, die Augen Albert Einsteins zu erwerben, hat ihn zu einer „Paral*lelstrategie“ inspiriert, die sich auf eine „Dia-Schau des Künstlers Charles Kaltenbacher zu Michael Jackson“ bezieht. In einem Gedicht für Christoph Herndler wiederum legt er eine Fährte zum „Fliegenfischen“ und reflektiert über den Bedeutungsraum der „Nymphe“: „Fischt du mit Puppen oder Nymphen“? „Die Nymphe selbst zu binden ist uns Passion. / Lockt Zuckmücken man leicht so zu Krawattennadeln. / Aus Haaren, Wolle, Vogelfedern macht die Nymphe!“
Wenn den Worten wie bei Chris*tian Steinbacher der herkömmliche Boden entzogen wird, ergeben sich schillernde Vexierbilder.


Winkschaden, abgesetzt
Gedichte und Stimmen. Von Christian Steinbacher.
Czernin 2011
155 S., geb., e 19,80
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