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Der erfundene Vater - 14/2011

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Der erfundene Vater

Albert Hollers Vaterbuch: keine Abrechnung, sondern ein Wunschbild.

Von Anton Thuswaldner

Albert Holler, geboren 1955, arbeitet als Arzt in Graz, über ein zu wenig ausgefülltes Leben kann er nicht klagen. Als Student begann er zu schreiben, brachte es auch zur einen oder anderen Lesung. Nichts Großes, Orientierungsversuche eines jungen Mannes eben, wie es viele gibt. Die meisten dieser Hobbyliteraten verschwinden, Holler aber hatte Blut geleckt.

Nähe zu einem Fremden

Nach Jahrzehnten, in denen er in seinem Beruf aufging, meldete sich ein Thema derart dringend in ihm, dass er nicht umhin kam, sich an seine Bearbeitung zu machen. Die Geschichte seines Vaters ließ ihn nicht los. Wer war dieser Mensch, von dessen Vergangenheit er so wenig weiß, dass er nach dessen Tod Nachforschungen anzustellen begann? Albert Holler las Geschichtsbücher und reiste an die Orte, an denen sein Vater gewirkt hatte. Es bedarf der Form des Romans, um vorläufig an ein Ende zu kommen, weil letzte Klarheit nicht zu gewinnen ist. Wissenslücken schließt er kraft seiner Imagination und der Fähigkeit zur Empathie. So ist das nicht nur ein neues Teilstück in einer endlos langen Reihe von Vater*büchern, sondern auch eines über den Sohn und dessen Versuch, nachträglich Nähe zu einem eigentlich fremden Menschen herzustellen.
Holler schreibt über die Jahre der Konsolidierung des jungen Karl H., lange bevor dieser eine Familie gründen konnte. Im Alter von 17 Jahren bricht er, dessen Familie tief in der Geschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie verwurzelt ist, die Schule ab und verlässt das Maribor der Zwischenkriegszeit in der Hoffnung auf ein besseres Leben. In Kaprun werden Leute gesucht für den Bau eines gewaltigen Kraftwerks**-
p*rojekts. Der deutsch sprechende Karl bewirbt sich und wird angenommen. Das sieht nach dem Beginn einer glänzenden Karriere aus.
Bald bricht der Krieg aus, Karl wird eingezogen, ein neues Leben erwartet ihn. Jetzt wird es heikel für den jungen Mann wie für dessen Sohn, den Literaten. Was hat der Vater im Krieg gemacht? Daraus sind vernichtende Abrechnungen der Nachgeborenen mit der Elterngeneration entstanden. Nichts davon sieht man im Roman Hollers. Er schreibt mit den Augen eines Liebenden, der seinem Vater nichts Böses zutraut. Berichtet hat dieser nicht viel, der Sohn hat kaum jemals Fragen gestellt, die Dokumente geben nicht viel her: ein Leben voller offener Fragen. Albert Holler erfindet sich kurzerhand einen Vater und macht ein Wunschbild
daraus.

Viele offene Fragen

Man sieht dem Roman an, dass der Verfasser, der so wenig weiß, hofft, er möge Recht behalten. Karl wird als Dolmetscher eingesetzt und ist dabei, wenn Partisanen verhört werden. Holler neigt dazu, den Vater zu entschuldigen. Er lässt ihn Protokolle zugunsten der Opfer erstellen, indem er Scheinfakten erfindet. Dieser
Vater steht auf der richtigen Seite. Nach dem Krieg nimmt er die Haltung des ganz normalen Österreichers ein, der erklärt, „an all dem Geschehen unbeteiligt gewesen zu sein, nirgendwo wirklich dabei gewesen zu sein, nie Befehle erteilt, nur Befehle entgegengenommen zu haben, und diese seien hauptsächlich harmloser Natur gewesen.“ 


Entfernte Heimkehr
Von Albert Holler
Residenz 2011
201 S., geb., e 21,90
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