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„Doch alle Fluchtwege sind versperrt“ - 22/2011

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„Doch alle Fluchtwege sind versperrt“

Thomas Ballhausen lässt seine namenlosen Figuren in unbekannte Orte und Räume fliehen.

Von Harald Wieser

Der Wiener Autor Thomas Ballhausen schreibt in seinem neuesten Buch „Bewegungsmelder“ von der Unmöglichkeit erfolgreichen Zusammenlebens, von der Flucht namenloser Figuren in unbekannte Orte und Räume. Er versetzt seine Figuren in Gedanken- und Traumwelten, die dem Leser manchmal als Albtraumwelten erscheinen mögen. Für Ballhausens Figuren hingegen scheinen sie Normalität zu sein. Es sind Figuren wie in Bertolt Brechts „Radwechsel“: Sie sind nicht gern da, wo sie jetzt sind. Sie sind aber auch nicht gern dort, wohin sie flüchten. Die innere Unruhe bringt Ballhausen durch seine Sätze zum Ausdruck.

Auf der Flucht

Der Titel „Bewegungsmelder“ ist treffend gewählt: Die Figuren lösen durch ihre Bewegungen etwas aus. Doch in den seltensten Fällen geht dabei ein Licht an.
„Fluchtversuche“ und „Interventio*nen“ finden sich in diesem Band. Man flieht vor etwas, das man fürchtet oder das man hasst, und gleichzeitig birgt dieser Versuch bereits die Konnotation zum Scheitern. Mit Interventionen verhält es sich nicht anders: Es sind Eingriffe in bereits bestehende Zusammenhänge. Konflikte, Reibereien und wiederum das Scheitern sind dabei vorprogrammiert. Vor allem der zweite Teil („Interventionen“) besteht nur mehr aus Gedankensplittern und -fetzen:
„ich kann das Leuchten nicht mehr sehen / das ich an Deinen Augen so sehr mochte / nur eine Sinnestäuschung / noch eine / doch / das Taxi wartet / mein Ticket schon in der Hand / alles verstreichen lassend / die Schrift / verdreht sich / doch alle Fluchtwege sind versperrt“.
Beispielgebend ist die Kurzgeschichte „Wunschprogramm. Ein Protokoll“ aus dem ersten Teil des Buches. Sprachlich weniger dicht, macht es aber ihre Bildhaftigkeit dem Leser einfacher, der Handlung zu folgen.
Ein Paar, das sich auseinandergelebt hat, sitzt in einem Boot: „Obwohl das Wasser weiterhin steigt, langsam, aber beständig, sagen beide, als wäre es eine eigenwillige Mutprobe, kein Wort. Er ist versucht aufzuhören, das Boot einfach sinken zu lassen, und rudert doch lustlos weiter. […] Während sie sich in einem letzten Anflug von Zärtlichkeit vorbeugt und ihre rechte Hand auf seine Wange legt, schlägt das voll laufende Boot, dessen Kiel schon am Grund des Sees entlangschrammt, mit einem dumpfen Geräusch endgültig auf.“
Glückliche Beziehungen, funktionierende Lebensverhältnisse, Happy-Ends – bei Thomas Ballhausen Fehlanzeige.


Bewegungsmelder
Von Thomas Ballhausen
Haymon 2010. 112 S., geb., e 17,90
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