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Der Verzweiflung widerstehen - 22/2011

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Der Verzweiflung widerstehen

Von Kathrin Wexberg

Schlagzeilen wie diese sind längst zum medialen Alltag geworden: „300 Flüchtlinge vor Lampedusa auf Grund gelaufen.“ Sie lassen aber oft vergessen, was es konkret heißt, auf der Flucht zu sein – in vielen Regio*nen der Welt, weit über die bekannte Route von Afrika nach Europa hinaus.
In ihrem Jugendroman berichtet die französische Autorin Anne-*Laure Bondoux von einer Region, die in ihrer Komplexität selten in unseren Medien vorkommt, dem Kaukasus. Seit dem Ende der Sowjetunion* kam es dort zu einer Vielzahl an bewaffneten Konflikten. Der Ich-Erzähler Koumaïl erzählt retrospektiv von seiner Kindheit auf der Flucht: Jahre ohne festen Wohnsitz, ohne feste Bindungen. Die einzige Konstante ist Gloria, eine warmherzige und tatkräftige Frau, die ihm immer wieder erzählt, wie sie ihn nach einem Zugunglück als Baby zu sich genommen hat, ihn und seinen französischen Pass, der auf den klingenden Namen Blaise Fortune lautet und ihm die Aufnahme im sicheren Frankreich garantieren soll, möglicherweise sogar gemeinsam mit seiner leiblichen Mutter. Ein Leben auf der Flucht birgt viele Gefahren, doch Gloria meint, der schrecklichste Schmarotzer von allen sei die Verzweiflung: „Wenn du nichts dagegen unternimmst, frisst er deine Seele auf, bis nichts mehr übrig ist. Das macht mir Sorgen. Woran merkt man, dass man von Verzweiflung befallen ist, wenn man sie nicht einmal sehen kann?“

Flüchtling in Frankreich

Solange Gloria in seiner Nähe ist, widersteht Koumaïl der Verzweiflung. Doch umso größer ist seine Mutlosigkeit, als sie getrennt werden und er mit zwölf Jahren allein, als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling, in Frankreich ankommt.
Acht Jahre später, endlich französischer Staatsbürger, gelingt es ihm, die schwerkranke Gloria in einem Spital in Tiflis wiederzufinden. Kurz vor ihrem Tod erzählt sie ihm ein weiteres Mal seine Geschichte – eine neue Fassung. In diesem herzzerreißenden Ende wird deutlich, wie sie ihr Leben bewältigen konnte: durch das Neu-Erzählen einer Lebensgeschichte, deren Wahrheit kaum erträglich ist.
Die französische Webseite zum Buch bietet zahlreiche Materialien und Verweise zu den realen Hintergründen, auf deren Basis die Autorin ihren Roman aufbaut. Ungeschönt wird erzählt, wie furchtbar eine Kindheit auf der Flucht ist – aber auch von der Kraft, die Menschen immer wieder aufbringen: „Das einzige wirksame Heilmittel gegen die Verzweiflung ist die Hoffnung“, sagt Gloria.


Die Zeit der Wunder
Von Anne-Laure Bondoux
Aus d. Französ. v. Maja von Vogel
188 S., geb., e 13,30
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