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Die Mühle und das Kreuz - 09/2012

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Passion, nicht nur zur Renaissance-Zeit

Kann man ein Gemälde zum Film machen? Man kann, wie 
„Die Mühle und das Kreuz“, Lech Majewskis „Verfilmung“
der „Kreuztragung Christi“ von Pieter Bruegel, beweist.

Von Otto Friedrich

Es hängt im Kunsthistorischen Museum gleich neben dem Turmbau zu Babel: Pieter Bruegel des Älteren Gemälde „Die Kreuztragung Christi“ aus dem Jahr 1564 ist ein ebenso epochales wie interessantes Gemälde: Denn der altflämische Maler-Star verlegt den Gang Christi nach Golgatha von Jerusalem ins Flandern der Renaissance-Zeit: Das Land steht unter spanischer Herrschaft, die Reformation wird von der Inquisition blutig unterdrückt. Es sind die Spanier, welche hier jene Soldateska stellen, die Christus auf die Schädelhöhe treibt und ans Kreuz nagelt.
Über 500 Personen hat Bruegel auf seinem Bild versammelt und eine Vielzahl von Einzelsze-nen mit hinein verpackt: Von der Beweinung Christi durch seine Mutter und die beiden anderen Marias bis zur erzwungenen Kreuz-Tragehilfe durch Simon von Cyrene. Galgen finden sich auf diesem Bild ebenso wie Räder, auf denen die (vermeintlichen) Ketzer jener Tage festgeschnallt wurden. Das birkene Kreuz bildet den Mittelunkt des Gemäldes, rund um dieses strahlen die einzelnen Geschichten aus. Doch den Höhepunkt bildet, auf einem Felsen stehend, eine Windmühle. Gott ist ein Müller, hoch droben lässt er die Flügel des Windrads ächzen und die Mahlsteine bewegen, auf dass das Korn zu Mehl werde: „Eure Speise ist das Brot des Leidens“, so ähnlich hat es der Psalmist einmal besungen (Ps 127,2). Und in solche Leidenszeit verlegt Bruegel auch die Passion Christi.

Gott ist ein Müller

Der amerikanische Kunsthistoriker Michael Francis Gibson hat anno 2000 in seinem Buch „The Mill and the Cross: Peter Bruegel’s ‚Way to Cavalry‘“ all die Geschichten, welche das Gemälde bereithält, zu entschlüsseln gesucht. Aus Gibsons Erkenntnissen heraus gestaltet der polnische Regisseur Lech Majewski ein filmisches Tableau, das seinesgleichen sucht. Sein „Die Mühle und das Kreuz“ liefert den Beweis dafür, dass man aus dem Gemälde eines alten Meis-ters einen ganzen Film machen kann, der die historischen, theologischen wie ästhetischen Details kongenial in Bild und Dramaturgie setzt. Ja, auch das Bild hat solch eine Dramaturgie, es erzählt – siehe oben – unzählige Geschichten. Und bekanntlich lebt die theologische Qualität der Auseinandersetzung mit der Passion Christi nicht zuletzt davon, sie jeweils im historischen respektive zeitgenössischen Kontext neu zu buchstabieren.
Ein Dreigestirn an Schauspielern trägt die Darstellung: Rutger Hauer als Bruegel, Michael York als Kaufmann Nicholas Jonghelinck, der beim Meister das Gemälde in Auftrag gibt, und Charlotte Rampling als Jesu Mutter Maria, welche im Original wie in der Verfilmung ein Bild im Bild mit Leben füllt.
Doch die durchaus eindrückliche Schauspielkunst tritt hinter die Komposition des Opus zurück: Regisseur Lech Majewski hat technisch alle möglichen Stückeln auf Lager, um seinen Kunst-Bogen von der Renaissance bis in die Gegenwart zu spannen: Er hat selber eine Kopie des Bruegel-Bildes gemalt und projiziert dieses als riesigen 2D-Hintergrund, vor dem sich die zwischen Jerusalem und Flandern changierende Geschichte abspielt. Dazu montierte er computeranimierte Hintergründe in die Aufnahmen, die Schauspieler agierten oft vor einem Blue Screen. Daneben filmte er weite Landschaften, welche jenem auf dem Gemälde ähneln.

„Ich hab es selbst verschuldet“

Ein filmisches Zwiegespräch mit einem Gemälde der Renaissance-Zeit ist so entstanden und gleichzeitig eine mindestens so vergleichbare Meditation über die Passion Christi: Pieter Bruegel der Ältere übersetzt das Leidensgeschehen in seine Zeit. Und genau diese Vergegenwärtigung führt Lech Majeweski weiter – und hat es dabei gar nicht notwendig, mit seinen Bildern in die Jetzt-Zeit zu gehen: Der Zuseher weiß auch so, dass sich das Passionsgeschehen zu jeder Zeit wiederholt.
Ein Passionsfilm zur Passionszeit also – und hier sind es die Christen der Inquisition, die ihren Herrn und Meister ans Kreuz schlagen. Das ist christliche Botschaft pur – auch wenn sich diese wesentlich aus der protestantischen Überzeugung speist, nach der es der sündige Mensch ist, der den Kreuzestod Christi verantwortet: „Ich hab es selbst verschuldet, heißt eine Zeile des Chorals „O Haupt voll Blut und Wunden“. Man darf und soll genau das sich anhand dieses Films wieder ins Gedächtnis rufen.


Die Mühle und das Kreuz

(The Mill and the Cross)
S/PL 2011. Regie: Lech Majewski.
Mit Rutger Hauer, Charlotte Rampling, Michael York.
Polyfilm. 92 Min.
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