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Evolution der Gewalt - 18/2012

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Vom alltäglichen Morden

„Evolution der Gewalt“: Fritz Ofners exemplarischer Dokumentarfilm lenkt 
den Blick aufs tägliche Töten im mittelamerikanischen Guatemala.

Von Otto Friedrich

In Guatemala ist die Wahrscheinlichkeit, ermordet zu werden, dreimal so hoch wie im Irak. Mit dieser Festestellung endet Fritz Ofners beklemmender Dokumentarfilm „Evolution der Gewalt“, der ein vergessenes Morden ins Gedächtnis des europäischen Publikums zurückzuholen trachtet.
Erinnerung wird aufgefrischt: 1954 putschten die Militärs gegen den (links-)demokratischen Versuch, im mittelamerikanischen Land eine Landreform durchzuführen. Doch die Interessen US-amerikanischer Bananenfirmen – allen voran die United Fruit Company – waren stärker. Militärdiktaturen fogten und 36 Jahre lang – von 1960 an – kämpfte eine linke Guerilla gegen die Macht der Gringos und der mit ihr verbündeten Militär-Kamarilla. 1996 kam es zu einem Friedensschluss zwischen Militärs und Rebellen, aber der brachte kein Ende der Gewalt. Das hat ursächlich damit zu tun, dass die Traumata auf beiden Seiten nicht aufgearbeitet sind. Heute zählt man im Land sogar mehr Tote als zur Bürgerkriegszeit. Nicht zuletzt die Diktatur von Efraín Rios Montt 1982/83, der 400 Dörfer zerstören und deren Bevölkerung ausrotten ließ, harrt der historischen wie juridischen Klärung. Erst Ende Jänner 2012 wurde Rios Montt, der bis dahin parlamentarische Immunität genossen hatte, wegen Völkermord angeklagt und unter Hausarrest gestellt. Diese Entwicklung konnte der 2011 abgeschlossene Film allerdings noch nicht beleuchten.
Stefan Ofner macht es sich und seinen Zusehern dabei keineswegs leicht. Er beginnt die Minuten damit, Mord um Mord zu zeigen – die Opfer auf der Straße, Vater, Geschwister oder Mutter klagen, ein Jounalist berichtet für die Nachrichten darüber. Einer der bekanntesten Reporter der Morde, Rolando Santiz, wird während Ofner den Film dreht, von Unbekannten ermordet.

Die Protagonisten sprechen

„Evolution der Gewalt“ dokumentiert, erklärt aber nichts. Es sprechen Interviewte wie die Sozialarbeiterin Carola, die mit traumatisierten Frauen arbeitet, der Ex-Missionar Enrique, der sich der Guerilla angeschlossen hat oder der Indigene Rodrigo Sic, der mit 17 Jahren von der Soldateska zwangsrekrutiert wurde und danach auch aktiv an Kriegsverbrechen beteiligt war. Diese Beispiele zeigen, dass Ofner einerseits keinen Zweifel daran lässt, wo er die Schuldigen sieht. Andererseits gelingt es ihm, in der kargen wie verstörenden Bildsprache sowie eben auch an einem – gezwungenen? – Mittäter zu zeigen, dass die Gewalt auf allen Seiten ihre Spuren hinterlassen hat.
Ein Gesellschaft wird ihr Trauma nicht los. Das ist die Botschaft des exemplarischen Dokumentarfilms, dessen Titel „Evolution der Gewalt“ den Punkt trifft. Keine unterhaltsame Filmkost. Aber eine notwendige.


Evolution der Gewalt
A 2011. Regie: Fritz Ofner.
Poool. 77 Min.
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