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Argo - 45/2012

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Argonauten in Teheran

Für manche gilt Ben Afflecks dritter Spielfilm „Argo“ als Oscar-Favorit. Die gut inszenierte und 
gespielte Geschichte bringt eine Episode rund um die Teheraner Geiselaffäre ans Licht.

Von Otto Friedrich

Mythologie ist immer gut, um die geheimen Leistungen einer wiederholt gebeutelten US-Agentur ins rechte Licht zu rücken. Dass man, um dem Heiligenschein des CIA zum Leuchten zu bringen, dabei auch ein ganz klein wenig Geschichtsklitterung betreibt, soll schon einmal vorkommen.
Obwohl die Operation anno 2011 durchaus actionfilmtauglich war: Bekanntlich stürmte Anfang November 1979 ein studentischer Mob die US-Botschaft in Teheran und entführte das dort anwesende Personal. Die Geiselaffäre zog sich länger als ein Jahr hin und kostete US-Präsident Jimmy Carter bekanntlich die Wiederwahl. Weniger bekannt ist, dass sechs Botschaftsmitarbeitern die Flucht gelang und sie beim kanadischen Botschafter Unterschlupf fanden. In einer Befreiungsaktion wurden sie als angebliche Mitglieder eines kanadischen Filmteams, die auf Location-Suche für einen Science-Fiction-Film waren, aus Teheran herausgeschmuggelt. Soweit die historischen Fakten, die bei dem dieser Tage unter der Regie von Ben Affleck ins Kino kommenden Verfilmung „Argo“ Pate standen.
„Argo“ ist das Drehbuch für den Film, den die untergetauchten Amerikaner in Teheran vermeintlich machen wollen. Schon das ist nicht ganz historisch, aber Anklänge ans griechische Sagenschiff, mit dem Jason und die Argonauten das Goldene Vlies in ihren Besitz bringen konnten, machen sich im Film immer gut. Und so gibt Ben Affleck auch gleich die Haupt-figur Tony Mendez, den einsamen Wolf – äh: Jason –, der als CIA-Agent gen Teheran reist, um die verängs-tigten Landsleute zu überzeugen, dass sie als Filmteam am besten außer Landes zu schmuggeln wären.

Reales Drehbuch und reale Produktion gesucht

Drama pur ist also angesagt: Mendez muss sich erst vom seiner gerade in Zerrüttung befindlichen Familie wegstehlen (dass selbige am Ende nicht so bleibt, weiß jedes hollywoodkundige Kind) und zwei Filme-macher, den Hollywood-Produzenten Lester Siegel (Alan Arkin) sowie den Make-up-Fachmann John Chambers (einmal mehr überzeugend: John Goodman), beschwatzen, dass er ein reales Drehbuch und eine reale Produktion braucht, damit der Fake in Teheran nicht auffliegt. Das alles gelingt – und unter der kindigen Leitung von Mendez’ Führungsoffizier Jack O’Donnell („Malcolm mittendrin“-Vater Bryan Crans-ton) nimmt das Abenteuer seinen Lauf.
Die Ingredienzien des Films sind klar, die Verteilung von Gut und Böse ebenso. Und mag auch im wirklichen Leben das Image der CIA ein wenig angekratzt sein, der geplagte US-Amerikaner wie der geneigte Amerikafreund darf sich zurücklehnen und zuschauen, wie die Welt mit dem Draufgängertum dieser Argonauten doch ein wenig besser wird – jedenfalls dürfen sechs verhinderte Geiseln ihre Lieben in die Arme schließen.
Das Geschilderte ist im Übrigen keine unstatthafte Preisgabe des Happy Ends, sondern weil sich der Plot unterm Strich doch einigermaßen an die Historie hält, weiß der Zuschauer ja vorab, was er zu erwarten hat.
Die dramaturgischen Zugeständnisse und die action-notwendigen Zuspitzungen darf man getrost verzeihen. Immerhin gelingt es Ben Affleck sowohl in beeindruckender Regie als auch in ebensolcher Darstellung, eine bislang weitgehend verschwiegene Episode der unendlichen Konfliktgeschichte zwischen den USA und dem Iran nach dem Sturz von Schah Reza Pahlewi, dem Vergessen zu entreißen. Man wundert sich nicht, dass „Argo“ gar zum Oscar-Favoriten hochgemunkelt wird.
Seltsam mutet am ehesten an, dass die diesjährige Viennale „Argo“ als Eröffnungsfilm präsentierte. Dass solch – zugegeben: gelungenes – Mainstreamkino vom heimischen Filmfest derart in die erste Reihe gerückt wird, muss man wirklich nicht goutieren. Einem ersprießlichen Kinoerlebnis steht Ben 
Afflecks dritte Spielfilmregie aber nicht im Weg.


Argo
USA 2012. Regie: Ben Affleck.
Mit Ben Affleck, Alan Arkin, John Goodman, Bryan Cranston.
Warner. 120 Min
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