ro ro

Navigation
Literaturkritik | Filmkritik | Dossiers | Suchen
You do not have permission to download files

Angel’s Share - 51/2012

Herunterladen
Wasser des Lebens

Von Otto Friedrich

Wenn es einen Regisseur gibt, der das Label „proletarisch“ verdient, dann ist es der Brite Ken Loach. Denn der mittlerweile 76-jährige filmische Anwalt der Underdogs jedweder Provenienz legt mit seinem neuesten Opus einmal mehr den Finger auf gesellschaftliche Wunden – und löst sie trotz Schicksalsschwere und scheinbarer Ausweglosigkeit in eine Komödie der besonderen Art auf.
Das Geheimnis des Gelingens von „Angel’s Share“ ist typisch schottisch und heißt „Whisky“ – wobei es ganz und gar nicht darum geht, für Trunksucht oder das Ersäufen der Alltagsprobleme im nordbritischen Wasser des Lebens zu plädieren. Sondern die – wie immer bei Loach – vom Leben gebeutelten, aber durchaus kreativen Existenzen, die er in diesem Film porträtiert, machen sich den Wert zunutze, den ein ordentlich gelagerter und gereifter Whisky darstellen kann; auch wenn sie sich dabei ein wenig linkisch und bis an die Grenze des Scheiterns anstellen.
Robbie (Paul Brannigan) muss, um eine seiner kleinkriminellen Sünden auszubügeln, etliche Stunden gemeinnütziger Arbeit verrichten. Ein sozialer Schemihl ist er, und eigentlich nur die Tatsache, dass seine Freundin schwanger ist, bewahrt ihn diesmal vor der Haft. Dummerweise will sein Schweigervater in spe nichts von ihm wissen und alle Zeichen, ob er es je auf die gerade Bahn schaffen wird, stehen eher auf Rot.
Erst als Sozialarbeiter Harry sich seiner annimmt, keimt ein wenig Zukunft: Robbie und andere werden von Harry zu einer Whisky-destillerie in den Highlands gebracht, wo der junge Mann sein Talent fürs Whisky-Verkosten entdeckt. Mit drei Gleichgesinnten entwickeln sie einen Coup, der sich um die Versteigerung eines der teuersten Tropfen aus dem schottischen Hochland dreht. Mit einem Schlag könnten die vier ihre Lebensprobleme finanzieller Art in den Griff bekommen – und Robbie eine neue Existenz samt Frau und Kind begründen.

Komödie wider soziale Tristesse

Allerdings läuft die Aktion eher jenseits der Legalität ab, kurz: Der größte Coup der jungen Leute könnte dieselben im Nu hinter Gitter bringen. Aber wer nicht wagt …
Ken Loach beweist mit „Angel’s Share“ einmal mehr, dass man sozialer Tristesse und dem Überwinden derselben nicht nur mit bedeutungsschwangerem Dokumentarfilm Herr werden kann, sondern gerade auch mit den Mitteln einer verqueren, sympathischen Komödie.
Dem Publikum und der Jury von Cannes hat das Ganze jedenfalls gefallen: Dort wurde „Angel’s Share“ heuer der Preis der Jury zuerkannt. Als Wermutstropfen mag da das schottische Englisch gelten, das auch dem Originalsprachen-Cineasten eigentlich nur mit (englischer) Untertitelung verständlich wird. Aber wie sollte man dieser Raubeine filmisch habhaft werden, wenn nicht auch durch ihr – zugegebenermaßen – gewöhnungsbedürftiges Idiom?


Angel’s Share – Ein Schluck 
für die Engel
GB/F/B/I 2012 
Regie: Ken Loach

Mit Paul Brannigan, Siobhan Reilly, John Henshaw.
Filmladen. 101 Min. Ab 21.12.
You do not have permission to download files


DownloadsII 5.0.4 by CyberRanger & Jelle
Based on ecDownloads 4.1 © Ronin



Powered by vBulletin® Version 3.6.5 (Deutsch) | Copyright ©2000 - 2005, Jelsoft Enterprises Ltd.
ro
ro ro
Werbung
  23:30:36 07.19.2005