ro ro

Navigation
Literaturkritik | Filmkritik | Dossiers | Suchen
You do not have permission to download files

Staudamm - 01/2013

Herunterladen
Dorf aus den Fugen

Ulrike Kotzinas erster 
Roman führt in die 
Abgründe eines Dorfes.

Von Maria Renhardt

Dass in der österreichischen Literatur zurzeit eine bereits viel zitierte Faszination an der Auseinandersetzung mit Heimat, Dorf und Stadt festzustellen ist, bestätigt ein Blick auf die Neuerscheinungen des Bücherherbstes. Mit neuer Hingabe thematisierte Vea Kaiser in ihrem Roman „Blasmusikpop“ das Land und seine dörflichen Strukturen, Kaiser-Mühlecker siedelte die Handlung im „Roten Flieder“ in bäuerlichen Lebensräumen an und Faschingers Band „Die Unzertrennlichen“ riss Abgründe zwischen Urbanität und Provinz auf. Der Debütroman der Wiener Autorin Ulrike Kotzina, die bislang in Literaturzeitschriften veröffentlicht hat, schlägt in dieselbe Kerbe. „Staudamm“ führt ins Salzkammergut, in eine dörfliche Welt, mit der die Protagonistin Hannah möglichst wenig zu tun haben möchte. Gegen den Willen ihrer Eltern ist sie zum Studium nach Graz aufgebrochen. Ein rätselhaftes Lebenszeichen ihrer totgeglaubten Tante und das Begräbnis ihres Großvaters führen sie kurz zurück in die fremd gewordene Heimat, wo sie mit unliebsamen Fragen Verwirrung stiftet und alte Wunden aufreißt. In drei Kapiteln umreißt Kotzina hierarchische Strukturen und wirtschaftliche Interessen ohne Rücksichtnahme auf die Natur. Ein Staudamm löst Demonstrationen aus und bringt den Stein ins Rollen.
Die Story ist ambitioniert geschrieben, zeigt aber immer wieder Brüche in Handlung und Sprache. Das stilisierte Gerede der Einheimischen vor dem Friedhof etwa, wie so vieles im Konjunktiv, passt nicht zu den Figuren. Ein alter Dorfbewohner hält Hannah, obwohl er sie zunächst eindeutig erkennt, plötzlich für ihre verschwundene Tante und gibt Geheimnisse preis. Dissonanzen zeigen sich auch in schiefen oder fast manieristisch wirkenden sprachlichen Bildern und Vergleichen: „Aber der See führte sich auf wie der tief hängende Himmel, der sich lärmend und leuchtend im Wasser spiegelte.“ An anderer Stelle starrt Hannah eine „angeschlagen aussehende Reflexion“ entgegen. Und das Fazit? Sich „die Stadt wieder aneignen, um den Auswüchsen des Fremdheitsgefühls gewachsen zu sein“!


Staudamm
Roman von Ulrike Kotzina
Picus 2012
220 S., geb. e 19,90
You do not have permission to download files


DownloadsII 5.0.4 by CyberRanger & Jelle
Based on ecDownloads 4.1 © Ronin



Powered by vBulletin® Version 3.6.5 (Deutsch) | Copyright ©2000 - 2005, Jelsoft Enterprises Ltd.
ro
ro ro
Werbung
  21:32:42 07.19.2005