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Zeilenkrieg - 01/2013

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Angesagt, abgeschrieben

Die Journalistin Anna-Lena McAfee schreibt mit ihrem ersten Roman eine treffende Mediensatire.

Von Brigitte Schwens-Harrant

Die junge Journalistin Tamara Sim verfasst als „‚feste Freie‘ mit der Arbeitsplatzsicherheit eines Tagelöhners auf einer Wanderbaustelle“ für die Fernsehbeilage Psst! „10 Tops/10 Flops“-, „In/Out“-, „Daumen hoch/Daumen runter“- und „Angesagt/Abgeschrieben“-Listen. Dafür ist genau jene Sattelfestigkeit in Sachen „Pop und Prominenz“ gefordert, die sie mitbringt.
Tamara aber will mehr: Sie will sich emporarbeiten in die höheren Etagen des Medienhauses, wo angesehene Blätter wie etwa das „S*nday Magazine“ produziert werden. Da kommt der überraschende Auftrag für einen Beitrag über Honor Tait gerade recht. Honor Tait, die zweite Protagonistin in Annalena McAfees Roman „Zeilenkrieg“, ist ein Star des Journalismus – bekannt geworden durch ihre Reportagen.
Wenn zwei solche Protagonistinnen mit ihren unterschiedlichen Auffassungen von Journalismus und Nutzen und Zweck klassischer Bildung anlässlich eines Interviews aufeinandertreffen, kann das nicht gut gehen, vor allem weil Taits Texte Tamara derart langweilen, dass sie sie zur Vorbereitung gar nicht erst liest. Lustlos blättert sie die Bleiwüsten durch: Buchenwald, Vietnam – diese Themen und Schreibweisen interessieren Tamara nicht.

Typisierte Positionen

Annalena McAfee weiß, wovon sie schreibt, sie arbeitete für die Financial Times und gründete und leitete die Kunst- und Literaturbeilage des Guardian. Sie hat jahrzehntelang die Entwicklungen des Journalismus beobachtet, die sie nun satirisch zugespitzt und mit entsprechend typisie-rten Positionen und Rollen in ihrem leicht lesbaren und unterhaltsamen Roman erzählt. Seine aktuelle Brisanz erhält er durch dieses Thema, das nicht nur die Medien in Großbritannien betrifft. Zwei Generationen, zwei Weisen, Journalismus zu denken und zu betreiben, prallen hier aufeinander: auf der einen Seite aufwändige Recherchen, Reisen in Kriegsgebiete und Versuche der Analyse, auf der anderen Seite die atemlose Suche nach Skandalen und der Entblößung von Menschen. Beide Journalistinnen werde im Ringen um ihre Story gezeigt. Es ist zwar deutlich, welcher Weise die Autorin mehr Sympathie entgegenbringt, aber auch diese Seite wird der Kritik unterzogen. Während dem Boulevard nichts heilig ist außer das Geschäft, für das man im wörtlichen Sinn auch über Leichen geht, zeigen auch die vermeintlich seriösen Reportagen ihre blinden Flecken und nicht unbedingt die Wahrheit. Das gilt selbst und vor allem für jene Reportage über die Befreiung in Buchenwald, für die Tait den Pulitzerpreis bekommen hat. Hier lauert Schuld der Starautorin, doch dieser Skandal entgeht Tamara, sie sucht und (er-)findet Sex and Crime.
Nicht alle Details, mit denen das Leben der Protagonistinnen und die Story ausgeschmückt werden, überzeugen. Daneben kommen jedoch auch – äußerst realistisch – die Mechanismen der Medien in den Blick, die erst aus jungen Journalistinnen das machen, was hier Tamara ist.
McAfee siedelt das Geschehen im Jahr 1997 an, an der Einschätzung der Bedeutung des Internets für die Zukunft der Zeitung schieden sich die Geister. Manche ahnten: Eine große Herausforderung beginnt und es wird – wie man heute sicher weiß – für Printmedien nicht leichter werden.


Zeilenkrieg
Roman von Annalena McAfee
Aus dem Engl. von Pociao

Diogenes 2012
477 S., geb., e 23,60
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