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Zala - 44/2011

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Slowenische Selbstsicherheit

„Zala“ nimmt die Geschichtsmythen auseinander und 
verstreut die Teile im Raum.

Von Anton Thuswaldner

Zala ist in der kulturellen Tradition der Kärntner Slowenen eine Identifika-tionsfigur, die aus der Tiefe der Geschichte kommt. Zur Zeit der Türkenkriege wurde sie verschleppt, litt als Sklavin am Hof des Sultans, konnte sich befreien und reiste zurück nach Kärnten, wo sie ihren Verlobten ehelichte. Simone Schönett und Harald Schwinger greifen für ihr Theaterstück auf diese Figur zurück, statten sie aber mit Eigenschaften einer starken, reflexionsmächtigen Frau von heute aus. Sie verlässt Kärnten, und wenn sie zurückkommt, hat sich das Land verändert. Was bedeutet das für eine, der gerade das Bewahren ihrer Herkunft so wichtig ist und die gleichzeitig weiß, dass Frieden nicht zu haben ist, wenn zwei Kulturen im Land einander argwöhnisch beobachten. „Also, man hat ganz den Eindruck“, grübelt sie einmal, „als würden die Menschen eher zum Umbringen tendieren.“
Mit dem landläufigen Realismus eines kritischen Heimatstücks haben die beiden Verfasser nichts im Sinn. Sie entwickeln eine wild wuchernde, groteske Phantasmagorie des politisch alltäglichen Schreckens. Das Stück steht dem Surrealismus wie der Posse näher als einer Ästhetik der Widerspiegelung. Zala wird flankiert von Männern, die von ihrem Denkmal heruntersprechen und sich als Vertreter einer Ideologie aus vergangenen Zeiten zur Lächerlichkeit aufplustern. Der Soldat, der Arbeiter, der Bauer, der Handwerker verbleiben als verkorks-te Helden staatstragender Feierstunden im kollektiven Gedächtnis.

Schwieriges Verhältnis

Nach Peter Handkes Stück „Immer noch Sturm“ und Maja Haderlaps Roman „Engel des Vergessens“ unternimmt auch dieses Drama die Anstrengung, das schwierige Verhältnis zwischen deutsch- und slowenischsprachigen Kärntnern auszuleuchten. Hier werden die Geschichtsmythen auseinandergenommen und die Einzelteile im Raum verstreut. Die Zeit der Ideologien und verbindlichen Entwürfe ist vorbei. Die Autoren denken gar nicht daran, den überkommenen Geschichtsbildern ein neues, verbindliches entgegenzusetzen.
Das Stück ist in slowenischer und deutscher Sprache geschrieben, eine Aufführung sollte beide durchmischen, sodass keiner die Oberhoheit zukommt.


Zala
Drama in sieben Bildern von Simone Schönett und Harald Schwinger.
Edition Meerauge im Verlag Johannes Heyn 2011. 144 S., geb., e 19,90
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