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Sämtliche Erzählungen - 48/2011

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Räuber, Mörder, Rechthaber

Wann immer man diese Novelle liest, tut sich eine neue Tür in die Finsternis auf.

Von Daniela Strigl

„An den Ufern der Havel lebte, um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, ein Roßhändler, Namens Michael Kohlhaas, Sohn eines Schulmeisters, einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit.“ So beginnt Heinrich von Kleists wohl berühmteste und vielleicht auch großartigste Erzählung.
Die hundert Seiten des „Michael Kohlhaas“ sind so vollgedrängt mit Handlung, Beziehungsgeflecht, Kasuistik, Motiven und Symbolen, dass sie so manchen Jahrhundert-roman von heute recht blutarm ausschauen lassen.
Wann immer man Kleists 1810 gedruckte Novelle nach der wahren Geschichte des Kaufmanns Hans Kohlhase von neuem liest, liest man sie ganz neu, weil sich immer wieder eine neue Tür in die Kleistsche Finsternis auftut.

Urbild aller Hollywood-Rächer

Das Unheil beginnt mit dem Überschreiten einer Grenze, viele weitere Grenzüberschreitungen folgen: Kohlhaas ist mit seinen Pferden auf dem Weg „ins Ausland“, als der Schlossvogt des Junkers Wenzel von Tronka ihm am Schlagbaum einen eben neu eingeführten „Paßschein“ abverlangt, den er nicht hat. Man behält seine beiden prächtigen Rappen als Pfand und richtet sie bei der Feldarbeit zugrunde. Als der Junker eine Entschädigung verweigert, beschreitet Kohlhaas zunächst den ordentlichen Rechtsweg: „Die Rechtssache war in der That klar“, lautet einer der kürzesten Sätze in diesem Text. Erst als Kohlhaas sich als „unnützer Quärulant“ abgeschmettert sieht, wird er zu dem, als der er später sprichwörtlich gilt, nimmt er, das Urbild aller Hollywood-Rächer, seine Sache in die Hand und marschiert militärisch gegen die Obrigkeit.
Er geht über Leichen, auch über die seiner Frau Lisbeth, weil er dem „Schmerz, die Welt in einer so ungeheuren Unordnung zu erblicken“ die „innerliche Zufriedenheit“ entgegensetzt, „seine eigne Brust nunmehr in Ordnung zu sehen“.
Kohlhaas’ Triumph am Ende wird, typisch Kleist, nicht dadurch geschmälert, dass er seinen Kopf zum Unterpfand der wiederhergestellten Ordnung geben muss. So erben seine Söhne die „dickgefütterten“ Pferde, während sein Widersacher, der Kurfürst von Sachsen, vernichtet dem Verlöschen seines Geschlechts entgegenblickt.


Sämtliche Erzählungen
Von Heinrich von Kleist
Diogenes 2011. 384 S., kart., e 12,30
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