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Zusammenkunft - 01/2012

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Existentialistischer Impresario

Walle Sayers Prosa: in ein paar Sätzen erschliesst sich das Drama eines Lebens.

Von Anton Thuswaldner

Zugegeben: Der Titel wirkt ungelenk, der Umschlag abweisend, der Autor ist hierzulande ein Nobody, warum sollte man sich dieses Buch ansehen? Dann beginnt man zu blättern in einem Buch, das aus einer Fülle 
von Prosaminiaturen besteht, kaum ein Stück länger als eine Druckseite, und schon ist man gefangen.
Hier arbeitet einer konzentriert an der Erkundung unserer Gegenwart, ihm kommt es auf jeden Satz an, auf jedes Wort, nichts ist fahrlässig hingeschrieben. In ein paar Sätzen erschließt sich das Drama eines Lebens, auf kleinem Raum untersucht er die Schmerzpunkte einer Existenz. Dabei stößt man auf überraschende Sätze, die in unserem Bewusstsein irrlichtern, das sich gewahr ist, dass einiges schief läuft in unserem Hier und Jetzt. „Wie lange braucht man, um mit einem abgebrochenen Sekundenzeiger einen Gitterstab durchzufeilen.“ So sieht die Summe eines existentialistisch geprägten Fragens aus. Oder: „Keine Eselsbrücke gab es zwischen dem, was ich fühlte, und dem, was sich sagen ließ.“ Ein Trostbüchlein sieht anders aus.
Walle Sayer, Jahrgang 1960, lebt in der tiefen deutschen Provinz in Dettingen bei Horb abseits großstädtischer Aufgeregtheiten. Das bringt ihn dazu, die Bilder für seine verstörenden Innenwelten in der Natur zu finden, die gar nichts Geschmäcklerisches aufweisen, und Szenen aus einem unidyllischen Dorfleben zu schaffen.

Prekäre Sicherheit

Jede Szene steht für sich, kann als Preziose aus dem verstörten Innenleben der Gesellschaft genommen werden. Doch hebt man den Blick, sieht man, wie diese kleinen Text-
einheiten untereinander Beziehungen eingehen und sich Wahlverwandtschaften auf Zeit suchen. Einmal stiftet ein textübergreifendes Motiv Zusammenhang, dann die rhetorische Spielform des Paradoxons, welches von einer prekären Sicherheit kündet, oder eine Atmosphäre, eine Stimmung, eine Lebenseinstellung.
Und plötzlich steht ein Satz im Raum, der aus der Enge einer Momentaufnahme ins allgemein Gültige drängt: „Und früher war damals, als es zumindest eine Fremde gab hinterm Horizont.“

Zusammenkunft
Ein Erzählgeflecht. 
Von Walle Sayer
Klöpfer & Meyer 2011 
223 S., geb., e 20,10
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